Medien : Versteckte Kamera

„Das Jesus Video“ als zweiteiliger Action-Thriller auf Pro 7

Kurt Sagatz

Bei Ausgrabungen in Israel macht ein junger Archäologiestudent einen bemerkenswerten Fund: Zwar findet er neben dem 2000 Jahre alten Skelett nicht gleich das Videoband mit Aufnahmen von Jesus Christus, das dem Pro7-Zweiteiler „Das Jesus Video“ (Donnerstag und Freitag, 20 Uhr 15) den Namen gegeben hat. Aber immerhin die Bedienungsanleitung einer Videokamera, die erst in einigen Jahren auf den Markt kommen soll. Die einzige Erklärung dafür könnte absurder nicht sein, denn was ist schon vernünftig an der Vorstellung, dass ein Zeitreisender Leben und Werk Jesu Christi auf einen Camcorder gebannt haben soll.

Die Vorlage zum Fernsehfilm stammt von Andreas Eschbach, der mit seinem 1998 erschienenen Roman „Das Jesus Video“ zu den wenigen deutschen Science-Fiction-Autoren gehört, die sich auch international einen Namen gemacht haben. Viel mehr als die Idee ist jedoch in der filmischen Umsetzung durch Regisseur Sebastin Niemann, der das 4,5 Millionen Euro teure TV-Spektakel in Szene setzte, nicht übrig geblieben. Aus dem amerikanischen Studenten Stephen wird der Deutsche Steffen, die israelische Ausgrabungshelferin Judith heißt nun Sharon, und ihr Buch-Bruder Yehoshua übernimmt die Rolle von Sharons Freund, um die unvermeidliche Liebesgeschichte mitreißender zu gestalten. Dass auch sonst kaum ein Stein auf dem anderen bleibt, verwundert wenig.

Immerhin enthält das Buch genügend Elemente, um daraus eine packende Filmstory von drei Stunden zu formen. Die Suche nach dem „Jesus Video“ entwickelt sich schnell zu einem action-geladenen Kampf zwischen drei ungleichen Gruppierungen. Steffen (Matthias Koeberlin) muss sich mit seinen Mitstreitern Sharon (Naike Rivelli, die Tochter von Ornella Muti) und Yehoshua gleich gegen zwei Parteien behaupten, deren Motive für die Suche nach dem Video nicht unterschiedlicher sein könnten. Der US-Medienmann John Kaun als Finanzier der Ausgrabungen wittert hinter dem Video das große Geschäft. Genau das will der Lucanier-Orden des Vatikans mit allen Mitteln verhindern. Ordensbruder Scarfaro (Hans Diehl) schreckt auch vor Mord und Folter nicht zurück. Niemand soll sich ein anderes Bild von Jesus und der Kirche machen als das von Rom propagierte.

Werktreue ist sicherlich nicht die hervorstechende Eigenschaft der Pro7-Produktion, die aus Sicherheitsgründen nicht in Israel, sondern im marokkanischen Casablanca und dem Wüstenort Quarzazate entstand. Dennoch lässt der Zweiteiler eines nicht aufkommen: Langeweile. Mehr Verfolgungsjagden, Schießereien, Folterszenen und Gefühlsprobleme hätte man auch in einen Hollywood-Streifen nicht einbauen können. Und alles, um Jesus mit einem Sony-Gerät ins Fernsehen zu bringen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar