Medien : Versuch’s mal mit Gemeinheit Dschungelshow: Die Quote sinkt, aber RTL ist zufrieden

Joachim Huber

Quotenalarm „down under“! Das Interesse der deutschen Zuschauer am RTL-Dschungelcamp in Australien lässt spürbar nach. Folge zehn am Montagabend erreichte 4,81 Millionen Zuschauer, das ist der Tiefpunkt der zweiten Staffel der Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. Diese, naja, schlimme Nachricht kann RTL nicht ruhen lassen. Die C-Prominenten müssen jetzt dem Affen mächtig Zucker geben. In der Sendung am Montag stand das Basislager der deutschen Fernsehunterhaltung am Rande einer Schlägerei: Der „Lindenstraßen“-Bösewicht Willi Herren beleidigte den gemütvollen Dicken Harry Wijnvoord als „Pisser“, weil der ihm eine „Liebschaft“ mit der Mitkandidatin Heydi Nunez-Gomez anlasten wollte. Désirée Nick ätzte professionell nach allen Seiten, Jimmy Hartwig rang mit beträchtlicher Lautstärke nach Worten; so läppisch das alles war, es war so viel los, dass die „Bild“-Zeitung nach Tagen, in denen das Thema auf den hinteren Seiten verklappt wurde, wieder einen Aufmacher auf der Titelseite spendierte: „Sie schreien sich an wie die Wilden“. Na bitte, geht doch, selbst „down under“.

Für Rekordquoten wird alle professionelle Anstrengung nicht reichen. Es fehlt wenigstens eine Resonanzebene. Die Kritiker, insbesondere aus der Politik, den Landesmedienanstalten und der A-Prominenz, schweigen beharrlich. Sie haben, und das ist eine, wenn nicht die Überraschung der „Dschungelcamp“-Fortsetzung, beträchtlich dazugelernt: durch Nichtbeachtung die Aufmerksamkeit für das inkriminierte Fernsehprodukt senken.

Ein RTL-Sprecher sagt, „wir sind sehr zufrieden mit den Quoten der zweiten Staffel, die als eigenständige Show betrachtet wird. Bei der ersten Staffel war alles neu und spektakulär.“ Jetzt sei mehr oder weniger bekannt, wie die Show funktioniere, und was auf die Kandidaten im Camp warte. „Dafür sind die Quoten hervorragend.“

Rund fünf Millionen Zuschauer sind täglich bei der Ausstrahlung der Show dabei, die noch bis zum kommenden Samstag läuft. Die Marktanteile, eben auch in der berühmten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen, sind stabil. Beim Dschungelcamp scheint sich die Biographie von „Big Brother“ zu wiederholen: Ein Format wird ins fortlaufende Angebot eines Privatsenders inventarisiert, und das Angebot findet seinen festen Käuferstamm.

Wenn die Quoten der zweiten Staffel in den nächsten Tagen nicht dramatisch einbrechen, wird es eine dritte geben. Das hat in England funktioniert, das wird in Deutschland funktionieren, ein Mangel an C-Prominenten ist in diesem Land nicht zu vermelden. Simone Kahn (wahlweise auch Claudia Strunz), der Rundum-Beleidiger Maxim Biller, Roberto Blanco, Ronald Schill (wahlweise Angela Marquardt), Yvonne Cutterfeld, Niels Ruf, Ferfried von Hohenzollern (wahlweise Maja von Hohernzollern), Dr. Motte, Barbara Becker – das wären schon geeignete Namen und Kombinationen für ein drittes Camp.

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