• Vertrag als WDR-Chefredakteurin verlängert: Sonia Seymour Mikich oder: 65 ist kein Alter zum Aufhören

Vertrag als WDR-Chefredakteurin verlängert : Sonia Seymour Mikich oder: 65 ist kein Alter zum Aufhören

Erfahren, profiliert, urteilsstark: Sonia Mikich bleibt über die Pensionsgrenze hinaus WDR-Chefredakteurin.

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Sonia Mikichs Vertrag als WDR-Chefredakteurin wird über die Pensionsgrenze hinaus um zwei Jahre verlängert.
Sonia Mikichs Vertrag als WDR-Chefredakteurin wird über die Pensionsgrenze hinaus um zwei Jahre verlängert.Foto: dpa

Kann und muss man sich nicht vorstellen, dass Sonia Seymour Mikich lange überlegt und noch länger gezögert hat, als WDR-Fernsehchef Jörg Schönenborn mit diesem Angebot in der Tür stand: Sie können bis Ende 2018 als WDR-Chefredakteurin weiterarbeiten? Bei dieser Journalistin, die am 13. Juli 65 wurde und damit die Pensionsgrenze erreicht hatte, ist Ruhestand schwer vorstellbar. Und die größte ARD-Anstalt selbst wollte in Mikichs Aufgabenbereich Ruhe durch personelle Kontinuität erreichen.

Mikich sei eine erfahrene, profilierte und urteilsstarke Journalistin, deren publizistische Führung in diesen Zeiten wichtiger sei denn je, sagt Schönenborn. In den USA, Deutschland und in Nordrhein- Westfalen stehen Wahlen an, zudem soll Mikich die begonnenen strukturellen Veränderungen in ihrem Bereich fortsetzen.

Und dieser Bereich ist gewaltig im WDR-Fernsehen. Auslandsberichterstattung, investigative Formate wie das Politmagazin „Monitor“, Dokumentationen, das ARD- „Morgenmagazin“. Außerdem moderiert die Journalistin den ARD- „Presseclub“.

Erste Korrespondentstelle in Moskau

Sonia Mikich arbeitet seit mehr als 30 Jahren für den WDR, tatsächlich aber war sie lange Jahre im Ausland, sie war Korrespondentin in Moskau, Mitte der 90er Jahre, zu Zeiten der gewaltigen Umbrüche unter Boris Jelzin. Bei ihrer zweiten Korrespondentenstelle in Paris war weniger los, also habe sie sich die „kleinen Krawallecken gesucht: die Korsen, Bretonen und Basken, die Autonomie suchten, und die Vorstädte“. Und als klar war, dass Barack Obama der erste schwarze US-Präsident würde, war sie im New Yorker Stadtteil Harlem – ein Glücksmoment, Gänsehaut, Augenzeugin der Geschichte.

Für Mikich ist Journalismus immer auch Abenteuer, Auseinandersetzung mit einem klaren politischen Standpunkt. Was sie als Leiterin und Moderatorin von „Monitor“ zeigte: Wir-gegen-die-Großen-Haltung und ironiefreies Luther-Deutsch. Mensch und Profession gehen bei ihr zusammen.

Sonia Seymour Mikich wurde in Oxford geboren, als Tochter einer Deutschen und eines Jugoslawen. Aufgewachsen im vornehmen Londoner Stadtteil Kensington, ging sie mit zehn Jahren und nach der Scheidung der Eltern nach Herne ins Ruhrgebiet. Ein Kulturschock war das, mindestens, schwerer Anfang, ratzfatz Deutsch lernen. Aber das Kämpfen gehört zu ihrer Natur. Gerne auch als WDR-Chefredakteurin jenseits der Pensionsgrenze. Joachim Huber

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