Video-Portal Quazer : Alles außer Fiktion

Der Streamingdienst Quazer will seine Zuschauer mit Dokus, Magazinen und Reportagen unterhalten. Und mit viel weniger Werbung als im klassischen Fernsehen, versprechen die Macher.

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Durchs Quazer-Programm gewischt. Der Kanal „Gangs & Ganoven“ gehört zu den beliebtesten Rubriken.
Durchs Quazer-Programm gewischt. Der Kanal „Gangs & Ganoven“ gehört zu den beliebtesten Rubriken.Screenshot: Tsp

„Das Fernsehen ist nicht tot, auch in Zeiten von Netflix, Amazon und Maxdome ist es das bequemste Medium. Das meint jedenfalls Olivier Jollet, der von Berlin aus das kostenlose Video-Portal Quazer betreibt. Streaming und Fernsehen stehen für ihn nicht im Widerspruch zueinander, viele Zuschauer wollen sich auch online einfach zurücklehnen und unterhalten lassen. „Lean back findet nicht nur auf der Wohnzimmer-Couch statt. Auch an der Bushahltestelle wollen die Menschen auf ihren Smartphones ein interessantes TV-Programm serviert bekommen“, ergänzt Jollets Partner Sören Ziems.

Quazer unterscheidet sich aber auch beim Inhalt von anderen Streamingdiensten. Hier soll es alles geben – außer Fiktion. Während die meisten Dienste vor allem Serien und Filme und eine kleine Doku-Auswahl anbieten, setzt Quazer ausschließlich auf Dokumentationen, Magazine, Reportagen, Sport und News.

Kanäle mit exklusiven Inhalten in Vorbereitung

Noch handelt es sich bei den meisten Filmen in den über 60 Themenkanälen um Videos, die via YouTube und Vimeo veröffentlicht wurden, und nun auf Quazer unter einer einheitlichen Oberfläche gebündelt werden. In vielen Dokus sieht man bekannte Senderlogos unter anderem von ARD, Arte, ZDF Info oder von Discovery. Bis zum Jahresende wollen die Quazer-Macher fünf bis sechs Kanäle mit exklusiven eigenen Inhalten füllen. Die Vertragsverhandlungen mit Zulieferern laufen bereits.

Am erfolgreichsten sind derzeit die Kanäle zu den Themen Katastrophen und Kontroversen. Aber auch der Channel Megabauten läuft sehr gut, obwohl die Clips überwiegend in Englisch sind. Ebenfalls sehr beliebt: Weltraum-Videos und der Kanal zu extremen Jobs sowie die Rubrik Gangs & Ganoven. Viele der Dokus sind zwischen einer Dreiviertel- und einer Stunde lang, es gibt auch auch kürzere „Snacks-Movies“, wie Ziems sie nennt.

Quazer kann entweder über die Webseite aufgerufen werden oder man sieht sich die Videos auf seinem Smartphone oder Tablet an. Apps gibt es für iOS- und Android-Geräte. Anstelle einer Fernbedienung kommen die bekannten Wischgesten zum Einsatz. Mit einem Wisch von rechts wird der Bildschirm geteilt. Links läuft das aktuelle Video, rechts kann man wiederum mit Wischbewegungen andere Clips aufrufen. Ein Empfehlungssystem macht auf Basis der bisherigen Nutzung Vorschläge. Auf dem großen Bildschirm läuft Quazer im Moment nur mit der AppleTV-Box. Die weit verbreiteten Chromecast-Sticks sollen in Kürze auch unterstützt werden.

Zur Finanzierung setzt das Unternehmen mit seinen 30 Mitarbeitern auf Werbung, allerdings sollen die Nutzer nicht gleich zu Beginn eines Clips mit Werbung überschüttet werden, wie Ziems sagt. Zudem will Quazer Nutzer belohnen, die länger auf dem Portal verweilen. Sie sollen weniger Werbung vorgesetzt bekommen. Und gegenüber dem klassischen Fernsehen soll der Werbeanteil deutlich geringer sein.

Bei der Vermarktung arbeitet die Plattform mit SevenOne Media zusammen. Der Werbevermarkter gehört zur Mediengruppe ProSiebenSat1. Auch die Quazer-Betreiber von Magic Internet gehören über ihre Muttergesellschaft Pluto TV zu dem deutschen Privatfernsehkonzern. Bevor Magic Internet auf die Idee mit Quazer kamen, hatte das in Berlin-Mitte angesiedelte Unternehmen die zu ProSiebenSat1 gehörende Plattform MyVideo betrieben, die inzwischen bei Maxdome beheimatet ist.

Ausbaufähig: Drei Stunden Verweildauer im Monat

Bereits jetzt kommt Quazer auf 500 000 monatlich aktive Nutzer, die den Dienst auch ohne Werbung entdeckt haben. Die Heavy-User schauen monatlich bis zu drei Stunden das Programm, zumeist auf dem Big Screen. Von den Nutzungszeiten des klassichen Fernsehens ist Quazer damit jedoch noch ein gutes Stück entfernt. Dort kommen die Zuschauer auf durchschnittlich über drei Stunden – am Tag. Kurt Sagatz

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