Medien : Viele Spekulationen um Süddeutschen Verlag

Neven DuMont bekräftigt seine Kaufabsichten

Daniel Häuser

Die Kölner Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg hat seine Kaufabsichten für eine Beteiligung am „Süddeutschen Verlag“ noch einmal bekräftigt. „Wir wollen auf jeden Fall an einem möglichen Bieterverfahren teilnehmen“, sagte Geschäftsführer Konstantin Neven DuMont dem Tagesspiegel.

Zwar käme auch eine Minderheitsbeteiligung infrage, angestrebt werde aber wie bei der im vergangenen Jahr erworbenen „Frankfurter Rundschau“ die Mehrheit am Unternehmen. Allerdings sind die Bestrebungen auf den Erwerb des Geschäftsbereichs Zeitungen fokussiert. An der Fachverlagssparte („w&v“, „Media und Marketing“, „Medical Tribune“) hat Neven DuMont offensichtlich weniger Interesse. Kein Wunder: Die Kölner haben bislang keine Fachinfomationstitel im Portfolio und wollen sich offensichtlich auf ihre Kernkompetenzen beschränken. DuMonts Hauptinteresse gilt bei einem Kauf offensichtlich auch der Bündelung der Kräfte zwischen den beiden liberal ausgerichteten Zeitungen „Süddeutsche Zeitung“ und „Frankfurter Rundschau“.

Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters hatte Konstantin Neven DuMont bereits am Wochenende betont, dass der Verlag bei der erwarteten Konsolidierung der Branche „im Rennen“ bleiben möchte und sich davor einen gewissen Marktanteil sichern will. Abzuwarten bleibt, inwieweit der Süddeutsche Verlag (SV) bereit ist, Teile des Unternehmens wie die Fachverlagssparte separat zu verkaufen. Unmöglich erscheint das nicht. SV-Geschäftsführer Klaus Josef Lutz hat beispielsweise bereits im vergangenen Jahr große Teile des Redtec-Verlags („Page“, „Mac Up“) an die Ulmer Verlagsgruppe Ebner verkauft.

Als verkaufsentschlossen gelten unter den Eigentümerfamilien des Süddeutschen Verlags die Altgesellschafter Dürrmeier (8,33 Prozent), von Seidlein (18,75 Prozent) und Goldschagg (18,75 Prozent). Als unentschlossen gilt Schwingenstein (16,67 Prozent). Familie Friedmann, heißt es in Medienberichten, wolle ihre 18,75 Prozent halten. Friedmann wolle insbesondere den Verkauf der Zeitung an Finanzinvestoren verhindern. Deswegen rechnet sich DuMont auch aus, eher zum Zug zu kommen als ein Private-Equity-Unternehmen. Vom Magazin „Impulse“ wurde Neven DuMont erst kürzlich auf Platz acht bei den wichtigsten Familien-geführten Medienunternehmen geführt. Der Süddeutsche Verlag landete auf Platz neun.

Kartellrechtliche Bedenken hätte Neven DuMont bei einem Kauf wahrscheinlich keine zu befüchten. Bislang ist die Mediengruppe besonders in Nordrhein-Westfalen („Express“, „Kölnische Rundschau“, „Kölner Stadt-Anzeiger“) und in Sachsen-Anhalt („Mitteldeutsche Zeitung“) aktiv. Der Süddeutsche Verlag will die Verkaufsabsichten nicht kommentieren, räumt aber auf Nachfrage ein, dass im Verlag derzeit keine besonders gute Stimmung herrsche. „Das können Sie sich ja vorstellen“, sagt ein Sprecher.

Vor einem möglichen Bieterverfahren ist am Dienstagvormittag eine Verhandlung am Münchner Landgericht angesetzt, um die schwelenden Konflikte unter den Eigentümerfamilien zu schlichten. Die Südwestdeutsche Medienholding, sie hält die restlichen 18,75 Prozent und verfügt über ein Vorkaufsrecht, hat Klage gegen den Süddeutschen Verlag eingereicht. Sie will verhindern, dass der Unternehmenswert des Medienhauses ermittelt wird und der Kaufpreis gegebenenfalls steigt. Wegen des erwarteten Interesses wurde die Verhandlung in einen größeren Sitzungssaal verlegt.

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