Medien : „Viele täuschen sich schwer in ihrem Talent“

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Walid M. Nakschbandi ist Geschäftsführer der Fernseh-Produktionsgesellschaft AVE. Das Unternehmen ist verantwortlich für Talkshows wie „Grüner Salon“, „Talk in Berlin“ (beide n-tv) und „Friedman“ (ARD).

Herr Nakschbandi, der ehemalige Schweizer Botschafter Borer hatte am Montag seinen ersten Auftritt als Talkshow-Botschafter. Stimmt die Beobachtung: Wer prominent ist, der bekommt auch gleich ein Fernseh-Engagement?

Gegen Prominenz ist nichts einzuwenden, wenn diese auch das Talent hat, eine politische Sendung zu leiten. Da haben sich jedoch schon viele in ihrem Talent schwer getäuscht, und wir wurden Zeugen. Bedauerlicherweise ist jedoch eine Tendenz zu verspüren, dass Prominenz allein nicht mehr genügt, es muss eine ordentliche Portion Halbseide hinzukommen.

Für welchen Typ von Talkshow taugt die Promi-Qualität, wo ist sie fehl am Platz?

Bei den politischen Talkshows genügt Prominenz allein nicht. Da muss Erfahrung, eine umfassende Bildung vorhanden sein.

Lothar Späth moderierte für n-tv „Späth am Abend“, andere Menschen aus dem politschen Leben wie Heinz Eggert oder Joachim Gauck waren und sind Gastgeber von Talkshows. Offenbar ist der politische Raum das ideale Trainingslager für den Fernsehtalk.

Gott sei Dank ist nicht jeder Politiker oder Manager geeignet oder gar in der Lage, eine Diskussionsrunde zu leiten. Sonst hätten wir längst den halben Bundestag im Fernsehen!

Talkshows heißen gerne nach dem Gastgeber: „Friedman“ oder „Beckmann“. Sind die Gastgeber wichtiger als die Gäste?

Ich habe nichts dagegen, wenn politische Sendungen so heißen wie ihre Gastgeber, wenn diese politisches Profil besitzen. „Maischberger“ oder „Friedman“ beispielsweise gehören dazu. Da weiß jeder, was er serviert bekommt: fundierte politische Auseinandersetzungen. Allerdings frage ich mich bei „Kerner“ oder „Beckmann“ häufig, wofür die nsgeber wirklich stehen.

Die AVE produziert Talkshows. Welchem Verhaltenskodex müssen sich ihre Talkmaster unterwerfen?

Seriosität, exzellenter Journalismus. Und nach Möglichkeit so wenig wie möglich in der „Bunten“ vorkommen.

Wenn am 22. September die rot-grüne Bundesregierung abgewählt wird, wer hätte die Chance auf ein TV-Engagement?

Sie fragen mich doch in dieser Situation etwa nicht ernsthaft, ob diese glamouröse Regierung Talente hat! Ich bitte Sie!

Die Fragen stellte Joachim Huber.

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