Medien : Vielfalt macht unglücklich

Fernsehzuschauer sind wenigen Programmen treu

Joachim Huber

Schon beim Marmeladensortiment im Geschäft zeigt sich: Die Kunden kaufen nicht mehr Marmelade, je mehr Sorten im Regal stehen. Einschlägige Studien belegen, dass weniger mehr ist. Die Fernsehzuschauer reagieren nicht anders, wie eine aktuelle Untersuchung von SevenOne Media, der Werbe- und Forschungstochter der ProSiebenSat1-Media AG, zur Fernsehnutzung in Zeiten des digitalen Wandels belegt. Die Basis der Studie bilden die 700 Fernsehsender, deren Nutzung derzeit im GfK-TV-Panel im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) erhoben wird. Nach der Seven-One-Studie kommen die 100 im TV-Panel erfassten Pay-TV-Sender auf einen gemeinsamen Marktanteil von insgesamt 3,5 Prozent. Die 600 erfassten Free-TV-Sender erreichen einen gemeinsamen Marktanteil von 96,5 Prozent. Aber: Von diesen 600 Free-TV-Sendern vereinen gerade einmal 41 Sender einen kumulierten Marktanteil in Höhe von 95,5 Prozent auf sich. Das heißt: Auf alle übrigen 559 Free-TV-Sender entfällt nur ein gemeinsamer Marktanteil von insgesamt ein Prozent.

Die Ergebnisse zeigen, dass der digitale Wandel an der großen Mehrheit der Zuschauer vorbei geht. Zwar gehen immer mehr Sender an den Start und das TV-Angebot zersplittert dadurch immer mehr – die Fernsehnutzung jedoch bleibt stabil und konzentriert sich auf wenige Sender, vorneweg ARD, ZDF, RTL, Sat 1 und Pro Sieben.

Andrea Malgara, Geschäftsführer Marketing SevenOne Media, hat erst einmal recht mit seiner Schlussfolgerung: „Ob die TV-Konsumenten überhaupt jemals die komplette Fernsehvielfalt nutzen werden, bleibt also fraglich. So zeigen Studien immer wieder, dass die Fernsehzuschauer die TV-Vielfalt schon heute als weitgehend unübersehbar einstufen.“ Ein Fragezeichen muss jedoch an die Bemerkung gesetzt werden, wonach die geringe Nutzung der Vielfalt an Sendern sogleich gleichbedeutend sei mit einer sehr hohen Zufriedenheit mit den wenigen sehr intensiv genutzten Programmen. Was aber stimmen kann: Fernsehnutzung heißt auch Sicherheit im Ritual, heißt auch, dass große Auswahl unsicher macht. Eine große Vielfalt fördert den Druck der Entscheidung, noch dazu wächst das Risiko, mit der getroffenen Entscheidung nicht zufrieden zu sein. So gehen beim Zuschauer Variantenreichtum und Entscheidungsarmut zusammen. Joachim Huber

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