Medien : Vier Direktoren für den RBB

Intendantin Reim will je zwei Mitarbeiter von ORB und WDR

Joachim Huber

Dagmar Reim hat es eilig. Am 1. Mai tritt sie ihr Amt als Gründungsintendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) an, am 5. Mai will sie vom Rundfunkrat ihre Kandidaten für das Direktorium des aus ORB und SFB fusionierten ARD-Senders wählen lassen. Für die vier Posten schlägt Reim nach Informationen aus dem Aufsichtsgremium zwei Mitarbeiter des WDR und zwei des ORB vor. Fernsehdirektor des RBB soll Gabriel Heim werden. Heim arbeitet derzeit als stellvertretender Programmchef des WDR-Fernsehens. Hannelore Steer, die bisherige Hörfunkdirektorin des ORB, ist als künftige RBB-Radiochefin vorgeschlagen. Auch der Betriebsdirektor des RBB soll vom ORB kommen: Nawid Goudarzi, bislang Produktions- und Betriebsdirektor der Potsdamer ARD-Anstalt. Für die Verwaltungsdirektion favorisiert Dagmar Reim den Chef der Produktionswirtschaft beim WDR in Köln, Hagen Brandstätter, gebürtig in Brandenburg an der Havel.

Zwei RBB-Direktoren vom ORB – das wird einigen SFB-Mitarbeitern schwer aufstoßen. Andererseits, SFBHörfunkchef Jens Wendland hatte mit dem absehbaren Ende des SFB sein Interesse an einer Aufgabe außerhalb des Senders erkennen lassen, Verwaltungsdirektor Dirk Rennefeld wird in den Ruhestand gehen. Und Fernsehdirektorin Barbara Groth kam wie ihr ORB-Kollege Volker von der Heydt für die RBB-Fernsehdirektion nicht in Betracht.

Zwei künftige RBB-Mitarbeiter aus dem WDR, dessen Fernsehdirektor Ulrich Deppendorf der NDR-Landesfunkhauschefin Dagmar Reim bei der Wahl um die RBB-Intendanz unterlegen war – eine weitere Ohrfeige für Deppendorf oder eine Befriedung des mächtigsten ARD-Senders durch Reim? Da gehen die Meinungen auseinander. Das bürgerliche Lager nahm die Liste mit Wut auf – mit Wut auf Frank Steffel, den Fraktionschef im Abgeordnetenhaus und Mitglied im RBB-Gremium. Steffel war für Deppendorf, wechselte mitten in der Wahl zu Reim, weil er bei ihr für die Konservativen mehr herauszuholen glaubte. Da hat sich Steffel, wie andere auch, mächtig geirrt. Die hoch gehandelte Personalie des Fernsehdirektors wird, sofern mit Heim verbunden, mit einem unabhängigen Kandidaten besetzt.

Wenn der neue Rundfunk Berlin-Brandenburg und seine Intendantin Reim am 1. Mai um Mitternacht ihre Arbeit aufnehmen, dann scheiden Horst Schättle als SFB-Chef und Hansjürgen Rosenbauer als ORB-Intendant aus. Beide haben angekündigt, weiter als Journalisten arbeiten zu wollen. Rosenbauer bleibt dabei mit Intendantengehalt dem RBB als Filmemacher und Moderator verbunden: An diesem Mittwoch ist er im ORB um 21 Uhr 50 „Im Gespräch mit Edzard Reuter“. Einen Beratervertrag mit dem RBB hat Rosenbauer nicht, wie hier geschrieben worden ist. Das ist auch nicht nötig, denn selbstverständlich unterstütze der (frühere WDR-Mitarbeiter) Rosenbauer ebenso wie Schättle „Frau Reim mit Rat und Tat“, teilte ORB-Sprecherin Pia Stein mit.

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