Medien : Vier Ermittler, Liebe und ein Todesfall

Volker Königkrämer

Auf den ersten Blick ist alles wie immer an diesem Krimi-Abend in der ARD: Ein Schiff treibt brennend die Elbe hinab. Die Spurensicherer in ihren weißen Schutzanzügen stochern in den verkohlten Überresten herum und finden tatsächlich eine Leiche im Rumpf des Bootes. So weit, so gut, so ein ganz normaler „Tatort“ oder „Polizeiruf“, könnte man meinen. Dabei ist das, was da auf dem Bildschirm passiert, in Wahrheit ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen der ARD: nämlich die Etablierung einer neuen Reihe auf einem der prominentesten Sendeplätze des deutschen Fernsehens: Sonntag Abend, 20 Uhr 15.

„K3 - Kripo Hamburg" heißt das Experiment, das in seine zweite Runde geht. Es ist der Versuch, neben der heiligen „Tatort“-Kuh und dem ehemaligen Ost-Format „Polizeiruf 110“ eine neue Krimi-Reihe zu platzieren. Die erste Folge „Auf dünnem Eis“ hatte im Sommer 2003 über 6 Millionen Zuschauer. Ein ermutigender Auftakt - doch der war auch nötig: „Es gab die klare Vorgabe vom Sender: Ein Marktanteil 20 Prozent plus X“, sagt Regisseur Friedemann Fromm. Andernfalls hätte der heutige zweite Teil „Porzellan“ wohl nie das Licht der Welt erblickt.

Das wäre schade gewesen. Denn der Regisseur hat das verstaubte Vorgänger-Format „Die Männer vom K3“ entrümpelt und dabei jede „Ärmelschoner“-Ästhetik vertrieben. Das Konzept: Vier robuste Ermittler (Ulrich Pleitgen, Oliver K. Wnuk, Jürgen Tonkel, Oliver Bäßler) werden im jeweiligen Fall mit Männern und Frauen konfrontiert, die aus Liebe zu Tätern oder Opfern geworden sind. „Mir lag daran, diesen durch ihren Beruf sehr einsamen Männern jeweils eine Liebesgeschichte als Kontrast gegenüberzustellen.“ So entwickeln sich bei „Porzellan“ die junge Witwe des Toten (Laura Tonke) und seine Schwester Inge (Saskia Vester) zu den Schlüsselfiguren eines Familien-Dramas, das inmitten der Idylle einer Hamburger Vorortsiedlung regelrecht implodiert.

Ein Gerüst, das tragfähig sein könnte – sofern die ARD dem Format Zeit gibt. Programmdirektor Günter Struve kann sich zwei „K3“-Folgen pro Jahr vorstellen – wenn sich Erfolg einstellt. Zeit, Geduld, das war einmal im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. „Wenn der Film keine Quote macht, nützt die beste Kritik nichts“, sagt Fromm. Mitunter kann man sich nicht mal der Rückendeckung aus dem eigenen Haus sicher sein. Das Jahr hat nur 52 Sonntage. Klar, dass es da Begehrlichkeiten innerhalb der ARD gibt, wenn ein Sender für ein neues Format Sendeplätze blockiert. Vielleicht schließt Günter Struve deshalb Nachahmer-Effekte kategorisch aus.

„K 3 Kripo Hamburg - Porzellan“,

ARD, 20 Uhr 15

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