Medien : Vier nach neun

Die „Nachtschicht“-Reihe hebt sich weiter ab aus dem Einerlei der deutschen 90-Minuten-Krimis

Markus Ehrenberg

Freitag „Ein Fall für zwei“, Samstag „Ein starkes Team“, Sonntag „Tatort“, heute eine neue Ausgabe des Lars-Becker-Serienkrimis „Nachtschicht“ – kaum noch ein Abend bei ARD/ZDF ohne Primetime-Krimi. Und kaum noch ein besserer deutscher Schauspieler/Schauspielerin, der oder die nicht irgendwann in seiner Karriere fragen wird: Wo waren Sie gestern Abend zwischen neun und zehn? So auch Barbara Auer, die als Psychologin in der vierten „Nachtschicht“-Ausgabe die Nachfolge von Katharina Böhm im Ermittlerquartett beim Hamburger Kriminaldauerdienst KKD antritt.

Vorab: eine gute Entscheidung. Aus dem Strickmuster (Ermittler-Duo, Privatmacken, Mordfall) der deutschen 90-Minuten-Krimis heben sich Lars-Becker-Thriller deutlich ab. Wie in der US-Serie „24“ wird die Dramaturgie der „Nachtschicht“-Reihe von der herunterlaufenden Uhr bestimmt. In diesem Falle zwölf Stunden zwischen der Flucht zweier Sträflinge aus dem Gefängnis, einem Mord, der Aufklärung von vergangenem Unrecht, dem Alleingang eines Cops und dem Showdown im Nightclub. Die Welt im Kriminalfall fokussiert – ähnlich wie sonst in Deutschland nur noch Dominik Graf erweitert und verschiebt Autor/Regisseur Becker („Bunte Hunde“, „Rette deine Haut“) das klassische Kriminalgenre in Richtung Polizeifilm, vermehrt um Elemente des Sozialdramas, der Milieustudie und manchmal auch Groteske. Was sich Florian Lukas und Jan Josef Liefers als flüchtende Sträflinge hier zusammenspielen, erinnert in seiner Mischung aus trockener Ironie und Schockmomenten an den Stil der Coen-Brüder, vor allem an die absurde Flucht von George Clooney in „O Brother, Where Art Thou?“, und bei welchem der deutschen Krimis kann man schon in solchen Kategorien denken.

Gott sei Dank liegt Hamburg nicht am Mississippi. Und Gott sei Dank wird das ZDF Barbara Auer weiter Gelegenheit geben, in Lars Beckers auserwählt-eingespieltem Ermittler-Team mit Armin Rohde, Ken Duken und Minh-Khai Phan-Thi noch ein bisschen an Kontur zu gewinnen.

„Nachtschicht: Der Ausbruch“,

ZDF, 20 Uhr 15

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