Medien : Viren-TV

Das ZDF startet eine Tropen-Klinik-Serie – noch ohne Vogelgrippe

Kerstin Decker

Dies ist der Begleitfilm zur Vogelgrippe. Und weil so eine Pandemie voraussichtlich ziemlich lange dauert, ist „M.E.T.R.O. - Ein Team auf Leben und Tod“ auch nicht viel kürzer. Pilotfilm und noch zehn Folgen, ab heute immer mittwochs um 19 Uhr 25 im ZDF. M.E.T.R.O. heißt „Mobile Einsatzgruppe Tropenmedizin“ und die einzelnen Folgen tragen so ansprechende Titel wie „Krim-Kongo“ (Kongo-Fieber!), „SARS“, „Lassa“, „Q-Fieber“ und immer so weiter. Auch eine Folge „Pocken“ oder „Herpes simiae“ ist dabei, das klingt vergleichsweise harmlos, weil wir die Pocken und Herpes irgendwie schon kennen – aber das sagt gar nichts. Nur die Folge „Vogelgrippe“ fehlt, vielleicht, weil das ZDF ein öffentlich-rechtlicher Sender ist und sein Publikum nicht zu sehr erschrecken will.

Das ZDF ist auch zartfühlend genug, die neue Serie in die Hauptgrippezeit zu legen, da hat sie ganz sicher eine tröstende Wirkung, denn so können wir, mit Fieber im Bett liegend, immer nachschauen, welche potenziell tödlichen Infekte wir nicht haben. Und das sind die meisten. Sars zum Beispiel ist ziemlich unangenehm. In Folge zwei sitzt der Familienvater Thomas Stöver eben noch mit seiner Frau auf einer Parkbank, als er plötzlich die Augen nach oben dreht und husten muss. Aber dieses Husten ist so, als ob man sich gleichzeitig übergeben müsste. Und wenn es ganz schlimm kommt, bricht man mitten im Stadtpark einfach zusammen. Gut, das es die Hamburger Tropenklinik gibt! Die echte heißt „Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin“ und wird von Dr.med. Hinrich Sudeck geleitet, die Serien-Klinik wird von Professor Baumann alias Volker Lechtenbrink geleitet. Volker Lechtenbrink hat früher diese Liedermacher-Lieder gesungen, wie wir sie in den Achtzigern so sehr mochten, mit seiner tiefen, vom „Küstennebel“ oder anderen Spirituosen erheblich angerauten Stimme. Inzwischen ist also auch er im Oberarzt-Alter angekommen und spielt beim Telefonieren meist mit seiner Lieblings-Giftschlange, denn das hier ist nicht die Schwarzwaldklinik, sondern eben eine Tropenklinik.

Das Problem bei einer Serie, in der alle Viren vorkommen dürfen, die wir nie haben möchten, ist, dass mit der Einlieferung des Patienten in die rettende Klinik die jeweilige Folge im Grunde schon zu Ende wäre und in der nächsten könnte man dann mitteilen, ob der Patient überlebt hat oder nicht und ob er ganz Hamburg angesteckt hat oder nicht. Aber das ist eben doch ein bisschen wenig fürs Fernsehen. Darum steht der bereits erwähnte Sars-Patient zum Beispiel auf der Intensivstation einfach wieder auf und flieht in seinem Krankenhauskittel quer durch Hamburg. Diese Flucht ist eine sehr optimistische Stelle für alle potenziellen Sars-Patienten, denn sie zeigt, zu welchen körperlichen Höchstleistungen man mit so unerfreulichen Viren im Leib noch fähig ist. Mal sehen, ob man mit Lassa-Fieber oder Q-Fieber noch genau so rennen kann. Aber das Wichtigste an „M.E.T.R.O.“ sind natürlich nicht die Patienten, sondern es sind die Tropenmedizinerin Dr. Katharina Hansen (Ursula Karven) und Hauptkommissar Markus Witt (Michael Roll), die notgedrungen manchmal zusammenarbeiten müssen, obwohl sie sich nicht unbedingt mögen. Oder nur manchmal und dann immer öfter – man kennt das. Frau Dr. Katharina Hansen ist sympathisch, arbeitsam und liebt ihre Patienten, nur privat hat sie einige Defizite.

Das geht dem Hauptkommissar ähnlich, denn der hat plötzlich eine Tochter. Und zwar die seines toten Bruders. Aber keine Frau dazu. Solide Serienkonfektionsware von Karola Meeder und Stephan Meyer (Regie). Der ZDF-Mann Alexander S. Tung fasst das in die kongenialen Worte: „Die Leute bei der Mobilen Einsatzgruppe Tropenmedizin M.E.T.R.O. lösen zwar spannende, dramatische Fälle, haben aber privat das Lachen nicht verlernt.“ Genau das ist das seelische Temperament im neuen Viren-TV.

„M.E.T.R.O. - Ein Team auf Leben und Tod“, Mittwoch, ZDF, 19 Uhr 25

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