Medien : Viva wird unterhaltsamer

Ex-ProSieben Sat 1-Manager Ludwig Bauer wird Vorstand der Viva-Senderfamilie

Nicole Adolph

Das Rätselraten, wer neuer Fernsehchef beim Musiksender Viva wird, ist beendet. Der Aufsichtsrat hat den früheren ProSieben Sat 1-Vorstand Ludwig Bauer mit Wirkung zum Februar 2004 zum Fernsehvorstand bestellt. Bauer soll für die nationalen und internationalen Fernsehaktivitäten von Viva verantwortlich sein. Der 46-jährige Bayer war zehn Jahre lang bei Deutschlands größter Senderfamilie Pro Sieben Sat 1 beschäftigt, darunter als Leiter der Programmplanung bei Pro 7, als Geschäftsführer bei Kabel 1 und zuletzt als Fernsehvorstand für alle vier Kanäle (Pro 7, Sat 1, Kabel 1, N 24). Anfang November räumte er freiwillig das Feld, nachdem es unterschiedliche Auffassungen über die künftige Unternehmensstrategie gegeben hatte. Der neue Eigner Haim Saban hatte seinen Vertrauten Guillaume de Posch als Vorstand für das gesamte operative Geschäft in die Gruppe geholt und den Vorstand verkleinert. Das Vorstandsressort Fernsehen, das Bauer geleitet hat, ist mittlerweile aufgelöst.

Viva hat den Umbau seiner Führungsstruktur mit der Berufung Bauers abgeschlossen. Senderchef Dieter Gorny hatte den Posten des Fernsehvorstands erst im September geschaffen. Zuvor hatte er das Fernsehgeschäft einige Monate lang zur Chefsache gemacht, nachdem die beiden zuständigen Manager den Sender verlassen hatten. Gorny, der sich in letzter Zeit wegen Programmschwächen und rückläufiger Geschäftszahlen viel Kritik anhören musste, will sich künftig aus dem operativen Geschäft zurückziehen und die Expansion des Unternehmens im Ausland vorantreiben. Neben Gorny als Vorstandsvorsitzendem verantwortet Christian Gisy weiter das Finanzressort; Vorstand Jörg Grabosch ist künftig nur noch für die Programmproduktion zuständig.

Von dem promovierten Philologen Bauer, der als zurückhaltend und unscheinbar charakterisiert, in der Branche aber als einer der kompetentesten und einflussreichsten Fernsehmanager geschätzt wird, erwarten sich die Kölner viel. Bauer soll das Programm inhaltlich auf Vordermann bringen, den Sender besser positionieren und die Profitabilität steigern. „Seine langjährige Erfahrung wird der Viva-Senderfamilie bei der künftigen strategischen und inhaltlichen Weiterentwicklung zugute kommen“, sagte Viva- Aufsichtsratschef Manfred Zumkeller.

Viva kann einen Machertypen wie Bauer gut gebrauchen: Vor allem wegen schwacher Werbeeinnahmen hat das Medienunternehmen im Geschäftsjahr 2003 Verluste eingefahren. Nach Steuern steckte Viva in den ersten neun Monaten mit minus 3,9 Millionen Euro in den roten Zahlen. Vor zwei Wochen sagte Senderchef Gorny, er erwarte nun auch fürs Gesamtjahr einen operativen Verlust. Neben der Werbeflaute leiden Viva und Viva Plus unter der Konkurrenz von MTV, dem Musikfernsehen des US-Konzerns Viacom. MTV gewann zuletzt mit Unterhaltungsserien und Kultformaten deutlich Zuschauer hinzu.

Bauer soll bei Viva jetzt nachziehen: Er soll den Sender aus der Musikecke herausholen und stattdessen mehr Unterhaltungsserien und neue Formate für das Abendprogramm präsentieren. Bauer selbst bescheinigt Viva „enormes Potenzial“. „Gemeinsam mit meinen Vorstandskollegen werde ich die Position des Unternehmens als einzigartiges Entertainment-Portal für die junge Generation weiter stärken und ausbauen“, sagte er.

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