Medien : "Vivian": Die Zeitschrift für die neue Frau

Ulrike Simon

"Vivian com.t", verspricht die Werbung für eine neue Frauenzeitschrift von Hubert Burda Media. Doch Vorsicht - wer am 9. Oktober die erste Ausgabe für 3 Mark 50 kauft und von dem Montagsmagazin Make-up-, Ausgeh- und Flirttipps erwartet, wird enttäuscht sein. Wer etwas über Aktien, Business-Frauen und Unterhaltsames aus der Politik erfahren will, liegt hingegen richtig.

"Vivian" werde etwas ganz Neuartiges werden, verspricht Chefredakteurin Susanne Walsleben. Keine Frauenzeitschrift werde ein so breites Inhaltsspektrum bedienen wie diese. Keine Spur vom üblichen "PPS-Syndrom" rund um Psychologie-, Partnerschafts- und Sexthemen. Dafür werden Computer-, Wirtschafts- und politische Themen einen breiten Raum einnehmen. In der Machart erinnert vieles an "Focus". Doch so wie "Focus" eher Info-Illustrierte denn Nachrichtenmagazin ist, wird "Vivian" mehr Infotainment-Illustrierte denn Frauenzeitschrift sein. Entsprechend würde Walsleben ihr "Vivian" am Kiosk gern neben "Stern", "Spiegel", "Focus" und "Max" sehen.

Doch das versprochene Konzept ist nicht das einzig Besondere an dem Magazin: Vorgestellt wurde "Vivian" erstmals am 9. Februar - dem 60. Geburtstag von Verleger Hubert Burda. An diesem Tag wurde in Offenburg die Einweihung des neuen Medienparks gefeiert. Allein diese Koppelung, am selben Tag den Medienpark und den runden Geburtstag des Verlegers zu feiern und zu diesem Anlass eine neue Zeitschrift vorzustellen, zeigt, welchen Stellenwert "Vivian" genießt. Die Einführung von "Focus" im Jahr 1993 adelte Hubert Burda zum international renommierten Verleger. Seitdem brachte das Haus viel Neues hervor. Doch "Vivian" soll wieder ein Highlight werden.

Die Redaktion, für die unter anderen TV-Moderatorin Petra Gerster als Kolumnistin aktiv wird, ist ab Januar auch in Berlin vertreten. Leiterin des Hauptstadt-Büros wird "B.Z."-Nachrichtenfrau Anne Nürnberger. Und hier, in der Zeitungsstadt Berlin, wo am Donnerstag Verlegerpräsident Burda das neue "Haus der Presse" einweihte, wird auch die Vorpremiere gefeiert werden.

Doch Hauptsitz der "Vivian"-Redaktion ist der Burda-Standort Offenburg, für dessen Bedeutung der Verleger mit dem millionenschweren Bau des Medienparks ein deutliches Zeichen gesetzt hat. Das aus mehreren "Fingern" bestehende Gebäude wirkt gläsern und sehr modern. Zwar ist der nah am Elsass gelegene Standort Offenburg für Medienleute nicht unbedingt ein Magnet. Aber das badische Städtchen ist die Heimat von Hubert Burda - und die von Burdas Schulfreund Jürgen Todenhöfer, Ex-CDU-Politiker und heute zweiter Mann im Verlag. Offenburg ist ein Standort, an dem nicht nur wegen der transparenten Bauweise des Medienparks mit dem Gefühl von mehr Freiraum gearbeitet werden kann als in München - behaupten die, die in Offenburg arbeiten. Unterstützt von Todenhöfer waltet dort Reinhold G. Hubert, der nach einer ganzen Reihe preisgünstiger, vertriebsorientierter Frauenzeitschriften wie "Lisa" oder "Neue Woche" mit "Vivian" das erste journalistisch anspruchsvollere Projekt anschiebt. Er ist davon überzeugt, dass "Vivian" auch das Anzeigengeschäft stärken wird. Durch Computer-, Internet- und Aktienthemen kann die Zeitschrift auf regen Zuspruch der Werbekunden hoffen. Zumal die gedruckte "Vivian" nur der Kern einer ausgeklügelten Markenstrategie werden soll. Zeitgleich startet im Internet unter der Adresse vivian.com das eigenständige Online-Angebot von Chefredakteurin Judith Betzler und im Fernsehen die gleichnamige n-tv-Sendung, moderiert von Eve-Maren Büchner. Den Anzeigenkunden garantiert der Verlag, von "Vivian", der Zeitschrift, mindestens 130 000 Exemplare zu verkaufen. Bei 250 000 schreibe das Blatt schwarze Zahlen, sagte Jürgen Todenhöfer im Februar.

Eigentlich hätte "Vivian" im März erscheinen sollen. Doch das Blatt war noch nicht reif für die Praxis. Zudem genoss die Neugründung "Focus Money" Vorrang. In Offenburg wird viel von den Münchnern geredet, auch davon, wie wachsam "Focus"-Erfinder Markwort die Offenburger Aktivitäten verfolgt. Es heißt, er sehe es gar nicht gern, wie sehr sich Todenhöfer für "Vivian" einsetzt. Fest steht jedoch: "Vivian com.t"

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