Medien : Volkszählung der Schmetterlinge

Das ZDF schickt sein Publikum mit einer Kampagne für Artenvielfalt in die Natur

Thomas Gehringer

Bei Schmetterlingssammlern denken wohl viele an spinnerte Zeitgenossen, die mit einem Netz in der Hand und einem Tropenhut auf dem Kopf ihren flatternden Lieblingen hinterherhaschen. Das ist zweifellos das Werk von Eddi Arent, der in den „Winnetou“-Filmen den albern-unerschrockenen Naturforscher Lord Castlepool gespielt hat, einen spleenigen Briten natürlich. Tatsächlich sind die Briten bis heute ein Volk von Castlepools: Zehntausende Amateurforscher haben in den letzten Jahrzehnten 15 Millionen Zählberichte über die heimische Pflanzen- und Tierwelt notiert. Die jüngst erfolgte wissenschaftliche Auswertung dieser Volksbewegung hat Artenschützer in ganz Europa beunruhigt: Der Bestand von rund 70 Prozent der Schmetterlingsarten hat sich demnach auf der Insel stark verringert – ein Alarmsignal für die Artenvielfalt insgesamt. Schmetterlinge gelten unter Wissenschaftlern als „Indikatorart“. Wenn sie verschwinden, sterben auch andere Tierarten.

Nun will das ZDF auch im Deutschen den Lord Castlepool wecken, denn: „Mitteleuropa, auch Deutschland, ist ein Riesenloch.“ Das sagt Josef Settele vom Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ). Auf dem Kontinent mangelt es an Daten, und die sollen nun die Zuschauer sammeln: Gesucht werden Laien, die im Garten oder bei einem Spaziergang nach sechs populären Falter-Arten (Admiral, Aurorafalter, Distelfalter, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Zitronenfalter) Ausschau halten und sie melden. Neben dieser Schmetterlingszählung für jedermann gibt es ein anspruchsvolleres Tagfalter-Monitoring, bei dem unter Anleitung von Fachleuten in einem bestimmten Gebiet regelmäßig alle Arten registriert werden sollen. Außerdem kann man sich an einem Wettbewerb beteiligen, deren Preisträger zu einer abschließenden Fernsehshow im Herbst eingeladen werden. Ausführliche Informationen über die gemeinsame Aktion von ZDF, UFZ und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sind auf dem Internet-Portal www.abenteuer-schmetterling.de zu finden.

Das Leitmedium begleitet die Kampagne in der ersten Woche verstärkt und im Verlauf der nächsten Monate sporadisch. Den Startschuss gibt heute Wolf von Lojewski in „Abenteuer Wissen“, wo unter anderem über die Erkenntnisse aus England berichtet wird. Am Wochenende werden Schmetterlinge in allen Variationen das Kinderprogramm bevölkern, vom Quiz „1, 2 oder 3“ (Samstag, 8 Uhr 25 Uhr) bis „Löwenzahn“ (Sonntag, 11 Uhr 10). Besonders Kinder sind das Ziel der Kampagne für den Erhalt der Artenvielfalt; für Grundschulen gibt es einen speziellen Wettbewerb. Schmetterlinge seien durch ihre wundersame Verwandlung von einer Raupe über die Puppe zum Falter „gerade für Kinder ganz faszinierend“, erklärt die BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt. Bei Erwachsenen dagegen soll der „Lockstoff Schönheit“ wirken, sagt ZDF-Redakteur Günter Myrell. In der Nacht zu Freitag zeigen die Mainzer den Dokumentarfilm „Ruf der Schmetterlinge“ (0 Uhr 50) über die Forschungsabenteuer der Maria Sibylla Merian, die vor 300 Jahren den Regenwald in Südamerika bereiste. In der Reihe „Wunderbare Welt“ ist am Freitag die Dokumentation „Boten der Götter“ (14 Uhr15) zu sehen, und auch das Magazin „ZDF.umwelt“ (Sonntag, 13 Uhr 15) beschäftigt sich mit den flatterhaften Wesen.

Das ZDF erprobt also seine Kampagnenfähigkeit – für einen guten Zweck. „Die Aktion wird sich, so hoffen wir, draußen verselbständigen“, sagt Günter Myrell. Es gibt ja bei rund 3000 heimischen Schmetterlingsarten wirklich viel zu tun. Auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen bereits 80 Prozent. Die einen sind durch zu viel Landwirtschaft (Überdüngung), die anderen durch zu wenig (Verbrachung) gefährdet. Die Raupe Nimmersatt hat wirklich Bauchweh.

Auftakt zur Schmetterlings-Kampagne in „Abenteuer Wissen“: Mittwoch, ZDF, 22 Uhr 15

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