Medien : Voller Klischees

Wiebke Heiss

Er sagt, sie sagt, Pro 7. Man könnte sagen: „Als Mann und Frau wird man nicht geboren, sondern programmiert“, wie die Autorin Esther Vilar. Oder: „An diesem Abend beging ich in Mr. Bigs Küche einen vollkommen unnatürlichen Akt. Ich kochte“, wie Carrie aus „Sex and the City“. Oder man sagt: „Für die Fernbedienung gibt es ein ganz einfaches Gesetz: Frau Vibrator, Mann Fernbedienung. Punkt“, wie Giovanni. Der Bro’Sis-Sänger gehört zu den Promis, die in der Serie „Er sagt, sie sagt – die ganze Wahrheit über Mann und Frau“ auf Pro 7 zu Wort kommen, die am Dienstagabend startete.

Frauen können nicht einparken und Männer leiden bei dem kleinsten Schnupfen, als würden sie gleich sterben. Eigentlich dachte man, dass diese einfallslosen Klischees nicht mal mehr zu einem Witz taugen. Aber der Unterhaltungssender Pro 7 macht daraus eine vierteilige Comedy-Doku, um „einen kleinen Teil zur besseren Verständigung“ von Mann und Frau beizutragen.

Das funktioniert nach dem gewohnten Rezept – kurze Filmszenen werden von prominenten Menschen kommentiert. Grenzen des schlechten Geschmacks sind weder beim einen noch beim anderen erkennbar: Der Mann starrt im schicken Restaurant seinem weiblichen Gegenüber immer wieder auf das Dekolletee oder die Frau quält sich mit fast 40 Grad Fieber aus dem Bett, weil ihr Mann zu doof ist, den Herd richtig zu bedienen.

Eine Serie über „die ganze Wahrheit über Mann und Frau“ kommt genau zur richtigen Zeit – und verfehlt das Ziel total. Gerade hat die Wahl von Angela Merkel zur ersten Kanzlerin in Deutschland die Debatte um weibliche und männliche Rollen und geschlechterspezifische Eigenschaften in die Köpfe der Menschen zurückgebracht. Aber hier flimmern erneut nur Massenmeinungen für ein Massenpublikum über den Bildschirm. Für 30 Minuten wurde die Geschlechterdiskussion wieder um Jahrzehnte zurückgeworfen.

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