Medien : Vom Krieg in der Bush-Regierung

Arte-Film über Tauben und Falken

Mechthild Zschau

„Wenn Saddam Hussein nicht vollständig abrüstet, werden wir im Interesse der Sicherheit unseres Volkes und des Weltfriedens ein Bündnis zu seiner Entwaffnung anführen,“ sagt Präsident George W. Bush. Wie ist Bush junior in diese Position der Bereitschaft zum Krieg, ja zur Begeisterung für den Krieg gekommen? Der amerikanische Journalist Michael Kirk zeichnet in seiner nagelneuen Dokumentation „Der Krieg hinter verschlossenen Türen“ (zu Beginn des frisch eingesetzten Arte-Themenabends „Amerikas Kreuzzug gegen Saddam“ um 20 Uhr 40) sorgfältig einen politischen Meinungsbildungprozess nach, der sich aus alten Quellen speist und ein vertracktes Gefüge von Persönlichkeiten, Machteinflüssen und Interessen darstellt.

Zwei Gruppen kristallisieren sich heraus: eine um Außenminister Colin Powell, der zwar für Überwachung feindlicher Nationen plädiert, aber keineswegs für Krieg. Die andere Gruppe schart Paul Wolfowitz um sich, der stellvertretende Verteidigungsminister, ein Hardliner der ersten Stunde nach dem Golfkrieg von 1991, in der er bereits mit Powell die Klingen kreuzte. Während Letzterer den Krieg so schnell wie möglich beenden wollte, hielt es Wolfowitz dringend für nötig, Saddam Hussein zu entmachten. Und verfasste ein Strategiepapier, in dem es hieß, die Vereinigten Staaten seien bereit, dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen mit Präventivschlägen zuvorzukommen, „selbst dort, wo die eigenen Interessen nicht betroffen sind“. Das Papier verschwindet in der Schublade. Über zehn Jahre hinweg, so findet Michael Kirk in zahllosen Interviews mit Beobachtern, Journalisten und Politikern heraus, bleiben die Fronten zwischen missionarischen Neokonservativen und weltpolitischen Pragmatikern bestehen. George Bush vereint sie gar in seinem Kabinett, wo sie sich gegenseitig blockieren. Dann aber kommt der 11. September. Und noch am selben Abend sagt Bush: „Wir werden keinen Unterschied machen zwischen den Tätern und denjenigen, die ihnen Zuflucht bieten.“ Und damit bricht der interne politische Krieg in Washington aus zwischen Falken und Tauben. Bush selbst schwankt. Und trägt schwer am Erbe seies Vaters, dem unvollendet gebliebenen Krieg am Golf. Die Entscheidung trifft er schließlich allein. Für den Krieg gegen „das Böse in der Welt“.

Von ökonomischen Interessen ist in dieser so faktenreichen, mit Archiv-Bildern über die Konflikte im Nahen Osten großzügig bestückten Dokumentation keine Rede. Ebensowenig von der Rolle der amerikanischen Opposition. Michael Kirk konzentriert sich auf die politischen Auseinandersetzungen innerhalb der Bush-Regierung. Und die sind so spannend und beängstigend wie jede Kriegsberichterstattung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar