Vom Quotenthron gestoßen : ARD und ZDF schlagen RTL beim jungen Publikum

Der WM-Fußball macht es möglich: Die öffentlich-rechtlichen Sender haben im Juni mehr junges Publikum als die kommerzielle Konkurrenz

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Alt, jung, bunt, kariert, das WM-Fernsehen holt alle Socken vor den Schirm. Foto: dpa
Alt, jung, bunt, kariert, das WM-Fernsehen holt alle Socken vor den Schirm. Foto: dpaFoto: dpa

RTL weiß, was der Privatsender tun muss – großen Fußball übertragen. Der Privatsender hat die Übertragungsrechte für die 20 Qualifikationsspiele der deutschen für die EM 2016 und die WM 2018 gekauft. Selbst wenn die Werbeeinnahmen die kolportierte Kaufsumme von 100 Millionen Euro niemals decken werden, so sind die miteingekauften Effekte enorm. Fernsehfußball generiert Quoten, Aufmerksamkeit für Sender und Programm. Vom eigenen Anspruch gehört RTL aufs Siegertreppchen bei den TV-Marktanteilen und natürlich an die Spitze der kommerziellen Konkurrenz.

Das erste Halbjahr 2014 hat – natürlich auch wegen der Fußball-WM in Brasilien – den Vorsprung von ARD und ZDF vergrößert. Das Zweite liegt bei den Marktanteilen mit 13,8 Prozent vorne und verbesserte sich damit um 0,8 Prozentpunkte im Vergleich zu den ersten sechs Monaten im Jahr 2013. Die ARD kam auf 13,0 nach 12,2 Prozent im Vergleichszeitraum. Bester Privatsender wurde RTL mit 10,6 Prozent, im ersten Halbjahr 2013 waren es noch 11,7 Prozent. Bei den übrigen kommerziellen Kanälen nur Minuszahlen: Sat 1 8,0 Prozent (8,2 Prozent), ProSieben 5,4 Prozent (5,5 Prozent), Vox 5,1 Prozent (5,7 Prozent).

Wie sehr der Fußball-Hype quer durch alle Publikumsschichten und damit weit über die jeweilige Senderklientel hinaus funktioniert, zeigt ein Detail, das der Branchendienst horizont.net meldet. Im WM-Monat Juni musste sich RTL erstmals seit 22 Jahren in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen hinter ARD und ZDF einordnen. Die ARD hat hier den Marktanteil von 7,1 auf 14,1 Prozent schier verdoppelt, das ZDF von 5,7 auf 13,8 Prozent beinahe verdreifacht. Das wird sich wieder normalisieren, denn nach der WM greifen verstärkt die Bindungen der Zuschauer an die jeweiligen Programme.

Noch ein Beleg für die Magie des TV-Fußballs? Die deutsche Achtelfinal-Begegnung gegen Algerien am Montag war mit 28,21 Millionen Zuschauern im ZDF die bisher meistgesehene Sendung 2014. Die beste fiktionale Produktion war der ARD-„Tatort“ aus Münster am 13. April („Der Hammer“) mit 12,78 Millionen. Dennoch dürfen die WM-Zahlen nicht zum Beleg genommen werden, dass in deutschen Haushalten nur ferngesehen wird. Im Durchschnitt verbrachte jeder Deutsche ab drei Jahren im ersten Halbjahr 226 Minuten täglich vor dem Bildschirm, 2013 waren es von Januar bis Juni 228 Minuten, auch wenn es an sportlichen Höhepunkten wie jetzt mangelte. Heißt auch: Wem Fußball herzlich egal ist, der schaltet zu WM-Zeiten vielleicht gar nicht ein. Joachim Huber

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