Medien : Vom Schaltkasten zum PC

Viel anfangen konnte man nicht mit dem Altair 8800, der vor 30 Jahren in den Handel kam. Eine Tastatur fehlte, statt Bildschirm gab es kleine Lämpchen

Sven Appel

So wenig Ähnlichkeit ist selten unter Verwandten: Stünden der MITS Altair 8800 und ein heutiger PC nebeneinander, fiele es schwer zu glauben, dass der Altair als Urahn aller PCs gilt. Im Januar 1975 wurde der Rechner in den USA zum Kauf angeboten. Kurze Zeit später, im April 1975, wurde das Unternehmen Microsoft gegründet. Computerfans können jetzt also gleich zweimal eine 30-Jahr- Feier begehen.

Der Altair wurde nur als Bausatz verkauft. „Man musste dann selber löten“, erklärt Andreas Stolte vom Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn. Dafür besaß der Rechner einen für damalige Verhältnisse leistungsfähigen Intel-Prozessor mit zwei Megahertz Taktfrequenz. Kleine Lämpchen erledigten all das, wofür heute Bildschirme benötigt werden. Auch eine Tastatur gehörte nicht zur Ausstattung: Der Altair wurde über Kippschalter programmiert. Aus Sicht heutiger PC-Nutzer erscheint der Altair 8800 daher nutzlos: „Damals ging es einfach nur darum, einen eigenen Computer zu besitzen“, erklärt Andreas Stolte.

An der Software für den Altair 8800 – eine Variante der Programmiersprache Basic – hatten auch zwei junge Männer in Seattle gearbeitet: Am 4. April 1975 gründeten William H. Gates III und sein Freund Paul Allen die Firma Microsoft. „Das Aufeinandertreffen von Altair und Bill Gates war ein Glücksfall“, sagt Thomas Baumgärtner, Sprecher von Microsoft Deutschland in Unterschleißheim bei München. Microsoft lieferte auch das Betriebssystem, als die Firma IBM auf die Idee kam, kostengünstige Rechner für Privatanwender anzubieten. Das System hießt MS-DOS 1.0 und wurde 1981 eingeführt. Im gleichen Jahr kam der erste PC von IBM in den Handel. „Das war ein Meilenstein der PC-Geschichte“, stellt Stolte fest.

Eine andere Größe der Computerbranche startete 1976. Steven Paul Jobs und Steve Wozniak bastelten den Apple I zusammen – für 666,66 Dollar ohne Gehäuse und ohne Tastatur. Verkauft wurde er als Platine. „Sicherlich hatten auch Jobs und Wozniak Kenntnis vom Altair 8800“, sagt Georg Albrecht, Sprecher von Apple Deutschland.

Neben der Hardware war die Erfindung einer grafischen Benutzeroberfläche laut Stolte entscheidend für den Erfolg von Heimcomputern. Hier machte Apple den ersten Schritt: Nach der erfolglosen, weil zu teuren Vorgängerversion Lisa brachte das Unternehmen im Januar 1984 den ersten Macintosh auf den Markt. Der 128K besaß einen eingebauten Schwarz-Weiß-Monitor und kostete mit rund 2500 Dollar nur etwa ein Viertel des Preises der Lisa. Er war also der erste erschwingliche Rechner mit grafischer Benutzeroberfläche.

Microsoft brachte sein erstes entsprechendes Betriebssystem 1985 heraus. Es folgten etliche weitere Windows-Versionen. Ed Roberts, dem Erfinder des Altair 8800, gelang es dagegen nicht, in großem Stil aus seiner Idee Kapital zu schlagen. Als andere Hersteller ganze Rechner auf den Markt brachten, war die Konkurrenz zu groß. Roberts verkaufte sein Unternehmen 1977.

Dennoch war es der Altair, der den PC-Boom angestoßen hat: Das Unternehmen sei in vielerlei Hinsicht innovativ gewesen, schreibt Herbert Matis von der Wirtschaftsuniversität Wien im Buch „Die Wundermaschine“. Die Firma habe nicht nur den ersten kommerziell vertriebenen PC initiiert, sondern auch den Aufbau neuer Vertriebssysteme, Computerfachmessen und Benutzergruppen. Zwar haben Hard- und Software seit 1975 eine enorme Leistungssteigerung erfahren, so Matis. „Aber die Grundkonfiguration hat sich eigentlich nicht mehr wesentlich verändert.“ Insofern besteht also doch noch eine Ähnlichkeit zwischen dem Altair und modernen PCs. dpa

Der Altair im Internet

www.hnf.de

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