Medien : Vom Sender zur Zeitung

Joachim Huber

Dieter Stolte verlässt sein Medium und bleibt im Mediengewerbe. Aus der Intendanz des Fernsehsenders ZDF wechselt er in die Herausgeberschaft der Springer-Blätter "Welt" und "Berliner Morgenpost". Letzter Arbeitstag als Fernsehmensch: 14. März 2002, erster Arbeitstag als Printmann: 1. April 2002. ZDF-Sprecher Philipp Baum sagt, Dieter Stolte sei gefragt worden. Wahrscheinlich hat Leo Kirch gefragt, der Springer-Aktionär und bewährte Lieferant für das ZDF-Programm. Kirch und Stolte sind im konservativen Geist verwandt. Und da ist die Partnerschaft zwischen dem Sender und der Springer-Fernsehtochter, die Sendungen wie "Die Goldene Kamera" beisteuert. Der Kulturmensch Stolte wäre noch lieber Präsident des Goethe-Instituts geworden. Außenminister Joschka Fischer hat abgewunken, der Bündnisgrüne sieht seine Partei vom ZDF unfair dargestellt.

Ein Dieter Stolte kann so wenig wie ein Hochleistungssportler von einem Tag auf den anderen die Beine hochlegen. Eine Beratertätigkeit im TV-Bereich verbietet sich für einen ehemaligen ZDF-Intendanten. Radio arbeitet in Deutschland lokal, bestenfalls regional. Schier zwangsläufig, dass Stolte zum Printmedium übergeht und im Rahmen der Springer-Blätter arbeiten wird - und arbeiten will. Seine Vita nennt ihn "deutscher Fernsehjournalist und Publizist". Publizist, das wird er bleiben, Herausgeber, das wird er werden. Stolte ist ein starker Intendant, ein Programm-Intendant. Der 67-Jährige will "ein engagierter Herausgeber sein, der sich ums publizistische Produkt sorgt und kümmert", sagt Baum. Wo? "Dort, wo die Arbeit anfällt." Stolte, der in Mainz lebt, hält sich gerne und oft in Berlin auf. Vom Fernsehen wird er, der das Fernsehen prägte und vom Fernsehen geprägt wurde, nicht lassen. Von Dieter Stolte wird zu lesen sein - Grundsätze zum Grundgesetz des elektronischen Mediums.

0 Kommentare

Neuester Kommentar