Medien : Vom „ss“ zum „ß“

Springer: In vier Wochen wieder alte Schreibung

Juliane Schröter

Alt oder neu schreiben? Die Axel Springer AG, der Spiegel-Verlag und der Süddeutsche Verlag haben sich letzte Woche entschieden, die neue Rechtschreibung aufzugeben. Der Zeitplan der Axel Springer AG sieht eine zügige Umstellung vor: „In etwa vier Wochen stellen wir die Schreibung um“, sagte Unternehmenssprecherin Edda Fels. „Es kann sein, dass die einzelnen Blätter nicht alle gleichzeitig, sondern nacheinander zu den alten Regeln zurückkehren.“ Welche Blätter im Verlag den Anfang machen werden, stehe noch nicht fest.

Noch völlig offen ist die zeitliche Planung beim Süddeutschen und beim Spiegel-Verlag. „Im Moment wird intern diskutiert, ob und welche Regelungen der neuen Rechtschreibung bei der Rückkehr zur alten beibehalten werden“, so Sebastian Lehmann, Pressesprecher des Süddeutschen Verlags. „Es wäre zu überlegen, ob man nicht die „ß/ss“-Regel übernimmt.“

Vorsichtig äußerte sich auch Hans-Ulrich Stoldt, Ressortleiter Information beim „Spiegel“: „Wir schreiben auf Basis der alten Regeln.“ Ab wann, sagte er nicht.

Bei den großen Nachrichtenagenturen AP, dpa und ddp ist noch nicht klar, ob die neue Rechtschreibung überhaupt aufgegeben wird. Die dpa will im Laufe dieser Woche eine Umfrage bei den Chefredaktionen der Verlage starten, die Kunden dieser Agentur sind. Damit wolle man sich ein Stimmungsbild verschaffen, sagte Chefredakteur Wilm Herlyn. „Das Ergebnis der Umfrage ist aber nicht das einzige Kriterium für unsere Entscheidung: Wir wollen auch die öffentliche Diskussion weiter beobachten, Rücksprache mit den anderen Agenturen halten und abwarten, was auf der politischen Ebene entschieden wird“, so Herlyn.

Für ddp sagte deren Chefredakteur Lutz Schumacher, die Agentur werde sich die Umfrageergebnisse der dpa ansehen und wie diese die öffentliche Debatte verfolgen. Gespräche mit anderen Agenturen könnten noch im August stattfinden. „Nach meiner Einschätzung wollen die Agenturen selbst die neue Rechtschreibung behalten – eventuell mit geringfügigen Modifikationen bei der Groß- und Kleinschreibung sowie bei der Zusammen- und Getrenntschreibung“, sagte Schumacher. Überlegungen anderer Agenturen, Meldungen in beiden Schreibweisen anzubieten, halte er für unsinnig.

Die Agentur AP will keine Umfragen machen: „Wenn die Mehrheit der Kunden zur alten Rechtschreibung zurückgegangen ist, werden wir folgen müssen“, sagte Chefredakteur Peter Gehrig. Die Mehrheit ergebe sich aus der Zahl der Publikationsorgane unter Einbeziehung der Auflagenstärke und Namhaftigkeit.

Alte Rechtschreibung, alte mit ein paar Neuerungen oder eine reformierte Rechtschreibreform – „es wird in jedem Fall chaotisch“, prophezeite ddp-Mann Lutz Schumacher.

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