Vom Tester zum Ausbilder : Hart, aber fair

Christian Rach öffnet eine "Restaurantschule" für benachteiligte Jugendliche und für RTL.

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Ein Ei ist ein Ei ist ein Ei. Christian Rach will arbeitslosen Jugendlichen beibringen, was in der Schale steckt.
Ein Ei ist ein Ei ist ein Ei. Christian Rach will arbeitslosen Jugendlichen beibringen, was in der Schale steckt.Foto: RTL

Restauranttester Christian Rach hat einen neuen Job: Er wird zum Ausbilder für zwölf Menschen im Alter von 17 bis 44 Jahren, die „auf dem geraden Weg keine rechte Chance haben“. Dazu hat er aus Hunderten von Bewerbungen ein Dutzend Leute ausgesucht, mit ihnen ein Restaurant in Hamburg renoviert, ein Konzept erarbeitet und in der Küche mit ihnen trainiert. In acht Folgen wird diese „Real Life Serie“ bei RTL immer montags zu sehen sein. Den Auftakt macht heute eine Doppelfolge, in denen der Zuschauer die Kandidaten mitsamt ihren privaten Problemen und Sorgen kennenlernt.

Nina (19) aus Hamburg sucht nach einer ungewollten Schwangerschaft ein richtiges Leben für sich und ihren Sohn. Angelika (44) aus Solingen möchte endlich Hartz IV und ihre öde Existenz inmitten einer riesigen Teddybären-Sammlung hinter sich bringen. „Wenn es gut läuft, werden alle Mitarbeiter einen Arbeitsvertrag hier bekommen“, erklärte Rach bei einer Vorpremiere in der ehemaligen „Weinhexe“ in der Hamburger Altstadt. Das traditionsreiche Restaurant hat jetzt lila Wände und heißt „Slowman“. „Angelehnt an Slowfood“, meinte Rach und vergaß dabei zu erwähnen, dass der Auftraggeber des zehngeschossigen Bürogebäudes aus den 1920er Jahren der Kaufmann Henry B. Sloman war, der im Salpeterhandel mit Chile viel Geld verdiente. Neben Nudeln in Pergament wird es daher auch Chillihaus-Pizza geben.

Aber schließlich geht es nicht um Hamburger Stadtgeschichte, sondern um die Frage „Wie baue ich ein Unternehmen auf?“ und für die zwölf Arbeitssuchenden vielleicht um „die Chance ihres Lebens“. Der Sternekoch Christian Rach, der durch seinen Quotenerfolg als „Rach, der Restauranttester" (RTL), mittlerweile auch als Unternehmensberater gefragt ist, sprach an diesem Abend viel von „uns als Unternehmer“, der Verantwortung des Arbeitgebers und Bildung als gesellschaftlicher Ressource. Darum freut es ihn besonders, dass er neben der Goldenen Kamera und einer Grimme-Preis-Nominierung im letzten Jahr auch den Ernst-Schneider-Preis für Wirtschaftspublizistik gewonnen hat. Der 51-Jährige ist nicht nur Besitzer und Küchenchef des exquisiten „Tafelhauses“ am Hamburger Hafen, sondern betreibt seit 2009 auch das Restaurant „Rach & Ritchy – Das Grillhaus“ im Hamburger Westen.

Als Chef und Ausbilder sei er „ehrlich, gerecht, immer zielgeführt, nie vernichtend“. Rach selbst hat keine herkömmliche Kochausbildung durchlaufen, finanzierte sich sein Philosophie- und Mathematikstudium als Koch und Kellner und lernte das Handwerk unter anderem durch einen Aufenthalt in Grenoble. „Ich habe noch nie so viele Männer weinen sehen wie dort in der Küche.“

„Rachs Restaurantschule“ nimmt Anleihen bei Jamie Oliver, der 2002 in seinem Londoner Restaurant „Fifteen“ versuchte, 15 benachteiligte Jugendliche zu Köchen auszubilden. Auch wenn Rach nach eigenem Bekunden diese Dokumentation nicht kennt, RTL – für Rach „der mutigste Sender Deutschlands“ – kennt sie bestimmt. Hier wie da gibt es bei den Protagonisten Gefängnisaufenthalte, ungewollte Schwangerschaften und abgebrochene Jobs. Ein Unterschied: Jamie Oliver ermöglichte die Gründung des Restaurants, indem er eine Hypothek auf sein eigenes Haus aufnahm. Christian Rach hingegen ist kein Teilhaber des „Slowman“: „Ich bin nur Berater, mir gehört hier nichts.“ Simone Schellhammer

„Rachs Restaurantschule“, RTL, um 20 Uhr 15

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