Von Almsick als Olympia-Reporterin : Franzi ist der neue Franz

Die Schwimmexpertin Franziska van Almsick ist der Star der Spiele - zumindest im deutschen Fernsehen. Sie ist deutsches Sportkulturerbe.

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Wo geschwommen wird, ist Franziska van Almsick als Experten gefragt
Wo geschwommen wird, ist Franziska van Almsick als Experten gefragtFoto: dpa

Genug gejammert über das medaillenlose Debakel der deutschen Schwimmer! Nach dem Ende der Schwimm-Wettbewerbe ist nur eines beklagenswert: Dass Franziska von Almsick nicht mehr so oft zu sehen und zu hören ist. Die Expertin der ARD ist der deutsche Star der Spiele, wieder einmal. Die Aktiven kennt ja keiner mehr. Die „Franzi“, wie sie alle, selbst ARD-Journalisten, nennen, steht dagegen für bessere, vergangene Zeiten.

Franz Beckenbauer sitzt gefühlt im Knast, Steffi Graf hat sich in Las Vegas verkrochen und Boris Becker hat sich in die Niederungen des Trainer-Daseins begeben. Bleibt nur noch die Franzi als Sport-Ikone, die selbst „Gala“-Leserinnen kennen. Unser Silbermädchen 1992 ist seit fast einem Vierteljahrhundert deutsches Sportkulturerbe. Seit elf Jahren kommentiert die 38-Jährige nun schon in der ARD ihre Nachfolger, fast so lange wie ihre aktive Karriere dauerte.

Auch als "Bild"-Reporterin springt sie gut gelaunt durch Rio

Sie wird immer blonder und braungebrannter, aber der Wohlfühl- und Wiedererkennungswert ist weiter vorhanden. Was sie inhaltlich sagt, ist egal, da ist Franzi der neue Franz. Sollen sie sich im Netz das Maul zerreißen, wenn sie live im TV sagt: „Man soll den Sand nicht in den Kopf stecken.“ Ihr sonores Timbre lullt nachts beim Zuhören wohlig ein wie eine Lieblingsdecke aus den Neunzigern.

Das ist viel wert. ARD und ZDF sollen neuen Experten wie Jonas Reckermann und Julius Brink nur eine vierstellige Aufwandsentschädigung zahlen. Franzis ARD-Vertrag hingen scheint sich endlos zu verlängern. Mehmet Scholl und Oliver Kahn dürften aber wohl nicht neidsch werden. Dabei ist Franzi vielseitiger, sie springt auch als „Bild“-Reporterin und für Einspieler gut gelaunt durch Rio. Als einzige Deutsche verbreitet die Ost-Berlinerin brasilianische Lockerheit. Bitte mehr davon, auch ohne Schwimmer im Hintergrund!

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