Medien : Von den Maya zu Vätern vor Gericht

Tom Peuckert

Für sein Feature „Gefühlte Erinnerungen“ ist Autor Matthias Eckoldt in die Labors der Gedächtnisforscher gegangen. Dort hat man Frauen aller Altersgruppen gebeten, sich im engen Schacht eines Computertomografen an ihr Leben zu erinnern. Die aufgezeichneten Hirnstrombilder beweisen, dass autobiografische Erinnerung stets subjektiv gefärbt ist. Das Gedächtnis sorgt sich weniger um die exakte Reproduktion des Vergangenen, als um dessen Nützlichkeit für die Gegenwart. Schon Friedrich Nietzsche hat einen pragmatischen Umgang mit der Historie als erstrebenswert bezeichnet. Womit einmal mehr bewiesen wäre, dass die Natur stets auf der Höhe philosophischer Weisheit handelt (Deutschlandradio Kultur, 1. Februar, 19 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

Vor genau 100 Jahren wurde der deutsche Autor Günter Eich geboren. Eich schrieb Gedichte und Prosa, aber berühmt hat ihn das Radio gemacht. Der Mann ist für einige Klassiker der bundesdeutschen Hörspielgeschichte verantwortlich, deshalb wird sein Jubiläum nun in großer Form gefeiert. „Ich bin gar nicht gegen die Realität, im Gegenteil …“ heißt ein von Hermann Bohlen inszenierter Radioabend, den alle ARD-Sender zeitgleich ausstrahlen. Eine originelle Tour de Force durch das gesamte Werk des Meisters. Auschnitte aus Hörspielen, Lesungen, historische Tondokumente. Höhepunkt der Party ist eine Neuinszenierung des berühmtesten aller Eich-Hörspiele. Fünf deutsche Hörspielregisseure haben sich zusammengetan, um den surrealen Nachkriegsthriller „Träume“ noch einmal in Szene zu setzen (Radio Kultur (u.a.), 1. Februar, ab 20 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Klangkünstler Götz Naleppa hat seine Mikrofone in den verfallenen Tempelanlagen der Maya aufgestellt. Dort lauscht er dem Heulen der Winde, lässt auf rituellen Instrumenten musizieren und aus mythischen Texten rezitieren. „Popol Vuh – das Buch vom Ursprung der Maya“ heißt seine Komposition, in deren Zentrum der alte Schöpfungsbericht der mexikanischen Maya-Indianer steht. Das „Popol Vuh“ ist ein Epos von dialektischer Wildheit. Ein grausam-schöner Gesang vom Werden und Vergehen einer frühen Hochkultur, den Naleppa eindrucksvoll zum Klingen bringt (Deutschlandradio Kultur, 2. Februar, 0 Uhr 05).

Wer sich lieber der abendländischen Kultur anvertrauen möchte, sollte eine Live-Übertragung aus dem Konzerthaus Berli n nicht verpassen. Orchesterchef Lothar Zagrosek lässt an diesem Abend in kräftigen Kontrasten musizieren. Das Programm beginnt mit Anton Weberns „Im Sommerwind“, ein Stück aus der romantischen Frühperiode des Komponisten. Danach folgt die Uraufführung von Nicolaus A. Hubers „schwirren flu:xus (und Selbstbildnis)“, eine musikalische Auseinandersetzung mit der Fluxus-Kunst der sechziger Jahre und Claude Debussy, dem Altmeister des musikalischen Flirrens und Fließens. Komplettiert wird der Abend durch Beethovens „Eroica“ , was nicht immer für gute Stimmung gesorgt hat (Deutschlandradio Kultur, 2. Februar, 20 Uhr 03).

Wenn Eltern sich trennen, sind die Kinder in der Regel bei ihren Müttern am besten aufgehoben. Der Staat hat aus dieser Erkenntnis Gesetze geschmiedet, die aber nicht immer segensreiche Wirkungen haben. Im Feature „Väter ohne Kinder“ erzählen Beate und Stefan Becker von Vätern, die sich entrechtet und missbraucht fühlen. Im Streit um Sorge- und Umgangsrechte haben Väter vor Gericht prinzipiell schlechtere Karten. Das Feature präsentiert drastische Beispiele aus dem Krieg der Geschlechter um die Kinder der Geschlechter (Kulturradio, 3. Februar, 9 Uhr 05).

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