Von "erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung" : Muss Handball-WM im Free-TV laufen?

Die ARD fordert die Aufnahme der Handball-EM und -WM in die Schutzliste der Sportgroßereignisse. Das würde den Rechtsinhaber beIn Sports ausbremsen

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13 Millionen Zuschauer sahen in der ARD das erfolgreiche WM-Finale der deutschen Mannschaft.
13 Millionen Zuschauer sahen in der ARD das erfolgreiche WM-Finale der deutschen Mannschaft.Foto: dpa

Das Schwarze-Peter-Spiel ist eröffnet. Wer verhindert, dass die Handball-WM 2017 im frei empfangbaren Fernsehen übertragen wird? Der Rechteinhaber beIn aus Katar, ARD und ZDF oder die Rundfunkpolitik? Jeder Free-TV-Interessent müsse sicherstellen, dass der Übertragungsradius an Deutschlands Grenzen endet, fordert beIn. Das kann nur passieren, wenn die Satellitenbilder für 18 Millionen Haushalte verschlüsselt würden. ARD und ZDF führen technische Hürden ins Feld, die ARD-Vorsitzende Karola Wille nennt den freien Zugang zum Programm ein hohes Gut, zudem würden vergleichbare Rechte ohne geografische Klausel erworben.

Großereignisse von "erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung" laufen im Free-TV

Die ARD bringt die Politik ins Spiel. Paragraf 4 des Rundfunkstaatsvertrags definiert sportliche Großereignisse von „erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung“. Olympia, Fußball-Wettbewerbe wie WM und EM dürfen nur verschlüsselt gezeigt werden, wenn sie parallel in einem Free TV laufen. Die Rundfunkpolitik sollte, sagt die ARD, Handball in diese „Schutzliste“ aufnehmen. Angezielter Effekt: Rechtehändler beIn Sport gerät sofort unter Druck, alle Free-TV-Sender sind zurück am Verhandlungstisch, der Fan bekommt die WM 2017 ohne Verschlüsselung, ohne Pay-TV geliefert.

Der Schlüsselbegriff ist „von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung“. Hat Handball diesen Status erreicht, dass 16 Ministerpräsidenten einen Staatsvertrag ändern müssen? Vom Handball zum Tennis zum Eishockey zum, zum, zum Bowling. Die „Listenregelung“ ist ein vehementer Eingriff in den freien Rechtehandel, was jetzt bei den Sportrechten aus dem Markt genommen wird, kann morgen bei der Fiktion gefordert werden.

Die Agentur beIn Sports scheint sich nicht bewegen zu wollen. Das hat sie bei der WM 2015 nicht getan, für 2017 ist keine Positionsveränderung in Sicht. Der Deutsche Handball-Bund sollte da ansetzen, ehe eine „Sendeverpflichtung“ für ARD und ZDF ausgerufen wird, die dann wieder nach der Politik ruft. Diese muss nicht hektisch werden. Erst mal soll der Handball beim großen Fernsehpublikum konstant erfolgreich spielen. Erst Sport, dann Paragrafenmord.

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