Medien : Von Fassbinder zu Dschingis Khan

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten In den Siebzigern tauchte Dschingis Khan in unseren Popsongs auf. Der einstige Chef des Mongolensturms war zur exotischen Kultfigur geworden. Dabei hatte einmal ganz Europa vor ihm gezittert. Vor 800 Jahren vereinte Dschingis Khan die mongolischen Stämme und begann, gegen seine Nachbarn Krieg zu führen. „Dschingis Khan is back“ heißt ein Feature von Bernhard Pfletschinger. Weil inzwischen viel Zeit vergangen ist, fällt das Urteil eher milde aus. Der Mann war ein Tyrann, aber er beförderte auch den kulturellen Austausch zwischen Europa und Asien. Pfletschinger hat die Hauptstadt der Mongolei besucht und dort nach Spuren des Khans gesucht (SWR 2, 1. Juni, 21 Uhr 03, Kabel UKW 107,85 MHz).

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Hätte Rainer Werner Fassbinder nicht allzu exzessiv gelebt, dann wäre er in diesen Tagen 60 Jahre alt geworden. Zum Jubiläum erscheinen zwei neue Bücher: eines mit Interviews, das andere mit Gedichten, die Fassbinder als ganz junger Mann geschrieben hat. Die Journalistin Petra Castell hat dazu ein längeres Gespräch mit Juliane Lorenz geführt. Lorenz war Cutterin und Lebensgefährtin des Regisseurs. Heute ist sie die Präsidentin der Fassbinder Foundation. „Der Film-Geschichtsschreiber“ ist eine Unterhaltung über Leben, Kunst und Nachruhm des größten Kinohelden der Deutschen (Kulturradio, 2. Juni, 19 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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Hauptfigur in Ilona Jeismanns Hörspiel „Eine alltägliche Verwirrung“ ist die pensionierte Klavierlehrerin Lena. Einerseits ist Lena fast achtzig Jahre alt, andererseits folgt sie einer erotischen Versuchung wie ein Teenager. Ein flüchtiger Briefwechsel mit einem Geliebten aus Jugendjahren führt zu einer romantisch-überstürzten Reise nach Wien. Lenas Flucht aus dem alltäglichen Kampf gegen Einsamkeit, Langeweile und Alzheimer- Furcht. Sie träumt davon, am Südbahnhof von ihrer Jugendliebe noch einmal mit Rosen überschüttet zu werden. Aber dann ist es nur eine brutale Jugendgang, die im Prater über den greisen Backfisch herfällt (Kulturradio, 3. Juni, 22 Uhr 04).

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In den Medien scheint vor allem der Polizeibericht für sie zuständig. Die Russlanddeutschen leben in Ghettos am Rand unserer Städte, ihre Kinder reagieren oft gewalttätig auf die Mühen der Integration. Zarin Katharina hat ihre Vorfahren nach Russland gelockt. Deutsche Handwerker, die den Russen spezielle Kenntnisse und vor allem den hiesigen Gewerbefleiß vermitteln sollten. Autor Helmut Kopetzky hat „Unsere Russen“ besucht und ihre Lebensträume erkundet. (Deutschlandradio Kultur, 4. Juni, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

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Man kann die Lebensträume der „Madame Bovary“ auf den Konsum schlechter Romane zurückführen. Man kann Emmas Sehnsucht auch als Urbild des modernen weiblichen Emanzipationsdranges verstehen. Im Radio hat das Publikum nun erneut die Wahl. Flauberts wunderbaren Roman gibt es in einer vierteiligen Hörspielfassung. (Deutschlandradio Kultur, 5. Juni, 18 Uhr 30; weitere Folgen am 12.,19., und 26. Juni, jeweils 18 Uhr 30)

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