Medien : Von Küchen-Machos und Sadismus am Herd

Sarah Wiener im Land der Haute Cuisine

Alice Bota

Sarah Wiener wurde nichts geschenkt. Früh alleinerziehend, lebte sie jahrelang von Sozialhilfe, schlug sich mit Restaurantjobs durch. Keine untypische Biografie einer alleinerziehenden Frau in Deutschland. Dann kaufte Sarah Wiener einen alten Küchenlaster der NVA, baute ihn um, gründete eine Filmcatering-Company und wurde zur bekanntesten Köchin Deutschlands – in einer diktatorischen Küchenwelt, in der die Befehlshaber vor allem eins sind: männlich.

Seitdem hat Sarah Wiener in unzähligen Kochsendungen gebraten, gekocht, gebacken. Aber keine Sendung habe sie so begeistert wie die jetzt für Arte, sagt die Österreicherin. „Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener“, so der Titel der 20 Doku-Folgen, die Wieners Kochreisen durch Frankreich zeigen. Drei Drehtage hatte man für jede Folge. Nicht so sehr um die Haute Cuisine geht es, sondern um deftige regionale Gerichte Frankreichs. 20 Mal erhält Sarah Wiener ein Schreiben: ein Name, eine Adresse eines „ Paten“, zu dem die Köchin in einem roten Käfer fährt. Dort der Auftrag: Sie soll ein für die Region spezifisches Gericht kochen, im Elsass Sauerkraut mit erschreckenden Fleischmengen, auf Batz sur Mer Barsch in Salzkruste. Ab da wird’s sadistisch, aber das kennt Sarah Wiener von Geschichtsdokus wie „Abenteuer 1900 – Leben im Gutshaus“. Nur, dass sie dort als Mamsell im herrischen Ton ihr Gesinde herumkommandieren durfte. Jetzt muss sie sich mit holprigem Französisch durchschlagen und selbst binnen eines Tages die Zutaten für ihre Gerichte besorgen. „Es geht darum, dass Sarah arbeitet“, sagt Regisseurin Nathalie Steinbart. Sie lacht hämisch und denkt daran, wie Sarah Wiener Barsche angelt, Muscheln fischt, Salz erntet und kiloschwere Kartoffelsäcke schleppt. Allein, ohne Hilfe. Und wenn die Wiener scheitert – wunderbar!

Wieners Kochtag endet mit einem Urteil, vollstreckt vom Bürgermeister, Dorfbewohnern, Kritikern, Feinschmeckern, einer Antwort auf die Frage, ob die Fähigkeiten der Österreicherin (für die meisten ist sie nur die Deutsche) der französischen Küche würdig sind. Und wenn sie scheitert – wunderbar! Sarah Wiener wird nichts geschenkt.

„Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener“, Arte, 20 Uhr 15

0 Kommentare

Neuester Kommentar