Medien : Von Schwerin nach Triest

Mit Henry Hübchen alias „Commissario Laurenti“ zeigt die ARD einen neuen italienischen Ermittler

Simone Schellhammer

Es sind die Geschichten eines Kriminalkommissars mit Sinn für gutes Essen, der im schönen Italien zwischen prächtigen Palästen und kleinen Altstadtgassen wüste Mordfälle zu klären hat und dabei flankiert wird von einer eleganten Ehefrau und zwei halbwüchsigen Kindern, die ihn in seiner stilvollen Altbauwohnung mit allerlei Familienproblemen versorgen. Nicht zu vergessen die hübsche, bezaubernd vorlaute Sekretärin.

Nein, wir sind nicht in Venedig, und der Commissario heißt auch nicht Brunetti, obwohl hier dieselbe Produzentin (Katharina Trebitsch) und derselbe Regisseur (Sigi Rothemund) verantwortlich sind wie bei den Donna-Leon-Filmen. „Ich kenne die Donna-Leon-Filme nicht wirklich“, sagt Schauspieler Henry Hübchen, der für „Commissario Laurenti“ den Schweriner Kommissar Törner aus „Polizeiruf 110“ aufgeben musste. „Ich kann aber keine Ähnlichkeit erkennen, außer dass die Geschichte in Italien spielt. Triest hat auch nichts von der romantisch-morbiden Optik Venedigs. Und Veit Heinichens Krimis haben meines Erachtens nichts gemein mit denen von Donna Leon.“ Veit Heinichen ist ein ehemaliger Buchhändler und Verleger aus Deutschland, der seit zehn Jahren in Triest lebt und dort vier recht erfolgreiche Kriminalromane geschrieben hat, die nun von der ARD verfilmt wurden beziehungsweise werden.

Im ersten Fall geht es am Sonntag um die Feindschaft zwischen zwei Familien, Kokainschmuggel, Blutrache und viel Fisch. Bei einer Bombenexplosion kommen ein Feinkosthändler und seine schwangere Frau ums Leben. Der Vater des Ermordeten, Antonio Gubian (Götz George), glaubt fest, dass es der alte Fischer Ugo Marasi (Hermann Beyer) war, den lang gehegte Rache mit den Gubians verbindet. Bei den Marasis wiederum, die in den 60er Jahren vor den Kommunisten aus Kroatien fliehen mussten, herrscht eisige Verbitterung. Ugo spricht seit 25 Jahren nicht mehr mit seiner Frau (Hannelore Hoger), die langsam in der Wohnung unter ihm verwahrlost, und Tochter Nicoletta (Anne Bennent) betreibt mit einsamem Zorn Schmuggelgeschäfte hinter den Kulissen ihres Fischladens. Götz George spielt den finsteren Partisanen, Hannelore Hoger die zottelige Alte. Beide kommen als merkwürdige, grimmige Gespenster daher, so dass man ständig meint, die beiden seien ein Paar.

Henry Hübchen, der im vergangenen Jahr für den Kinofilm „Alles auf Zucker!“ mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde und der selbst keine Krimis im Bücherschrank stehen hat, ist nun als Commissario Laurenti vor allem mit Privatangelegenheiten beschäftigt. Die Morde sind eine eher ärgerliche Unterbrechung des Alltags, der ausführlich und pointenreich erzählt werden will, denn da gibt es allerlei Marotten (Unpünktlichkeit, Vergesslichkeit oder plötzliches Zigarettenrauchen) und Missgeschicke (das Auto wird abgeschleppt, der Anzug bekleckert). Das wäre originell, würden wir uns noch in Zeitalter von „Derrick“ und „Der Alte“ befinden. Mittlerweile wünscht man sich aber einfach einen Kommissar, der seine Arbeit macht, und einen Plot, der sich auf eine spannende Tätersuche verlässt und nicht auf kapriziöse Ehefrauen (Barbara Rudnik), freche Sekretärinnen (Catherine Flemming) oder pubertäre Nervensägen (Sergej Moya und Simone Thomalla). Vielleicht wird „Commissario Laurenti“ dennoch den einen oder anderen dazu bringen, einmal nachzuschauen, wo die Hafenstadt Triest überhaupt liegt. Florian Panzner, der Laurentis Assistenten Sgubin spielt, haben die Dreharbeiten dort immerhin dazu gebracht, seinen Wohnsitz nach Triest zu verlegen.

„Commissario Laurenti – Die Toten vom Karst“, Sonntag, ARD, 20 Uhr 15

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