VON TOR zu Tor : Lieber Koch als Fußballprofi

Wie sich Oliver Welke und Marietta Slomka den WM-Abend geteilt haben. Und irgendwann auch wieder die Sonne scheint. Unsere WM-TV-Kolumne.

Björn Rosen
Marietta Slomka
Marietta SlomkaFoto: ZDF

Irgendwann musste es selbst Oliver Welke zugeben. Wir reden ständig vom Wetter hier in Brasilien, sagte der ZDF-Moderator. Aber, schob er hinterher, es müsse doch gesagt werden: Auch am Donnerstag, wenn die deutsche Mannschaft gegen die USA antritt, in Recife, um 13 Uhr Ortszeit, werde es wieder ganz schön warm sein. Das Gerede über die brasilianische Hitze (oder auch deren überraschende Abwesenheit oder einsetzenden Regen oder…) gehört zur medialen Aufbereitung dieser WM wie Mehmet Scholl zu Matthias Opdenhövel. Immer wieder erwähnen Fußball-Kommentatoren dieser Tage leicht ächzend Temperatur und Luftfeuchtigkeit in den Stadien.

Das Klima Südamerikas, es ist offenbar schwer gewöhnungs- und erklärungsbedürftig. Vielleicht hat es ja auch seinen Anteil an diesem „Debakel für den europäischen Fußball“, von dem Welke am Dienstagabend sprach, nachdem nach England und Spanien nun auch Italien ausgeschieden war – gegen Uruguay, eine südamerikanische Mannschaft. Das ZDF hatte sich klugerweise dafür entschieden, die mehr als zweistündige Pause zwischen den Entscheidungsspielen in Gruppe D und C nicht allein mit der Runde um Welke, Ex-Torwart Oliver Kahn und Schiedsrichter Urs Meier zu bestreiten. (Kahn, der als Profi einst in Rage Dortmunds Heiko Herrlich gebissen hatte, war, wie es der Zufall will, genau der richtige Experte, um über den Mehrfach-Beißer Luis Suárez zu urteilen.)

Stattdessen lief der erste Teil von Marietta Slomkas Doku „Zwischen Anden und Amazonien“. Südamerika, erklärt in 45 Minuten. Es war eine schnelle, ja atemlose Tour, in die Slomka praktisch alles eingebaut hatte, was man so mit dem Kontinent in Verbindung bringt: Kriminalität in Kolumbien, die faszinierende Tierwelt der Galapagos-Inseln, den bedrohten Regenwald, Indios, die gegen Unterdrückung kämpfen, und schließlich sogar die Gastroszene der peruanischen Hauptstadt Lima. (Junge Peruaner wollen angeblich Köche statt Fußballspieler werden.) Das war schon kurzweilig, von hinreißender Oberflächlichkeit. Später im „heute journal“ informierte Gundula Gause über das Wetter in Deutschland in den kommenden Tagen. „Zum deutschen Spiel am Donnerstag“, sagte sie. „scheint wieder die Sonne.“

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