Von Tor zu Tor : Sommermärchen, Fankultur und Fußballfaschisten

Dabei sagen die Starkicker doch immer wieder „No to Racism“: Das Thema Claudia Neumann lässt unseren EM-Kolumnisten nicht los.

Peter von Becker
Deutsche Fußballfans auf der Fanmeile.
Deutsche Fußballfans auf der Fanmeile.Foto: dpa

Zum Schönsten beim Fußball gehört, dass nicht nur die Mannschaften bunter geworden sind, sonder auch die Zuschauer. Früher waren, wenn die Kameras bei internationalen Großereignissen mal vom Rasen auf die Ränge schwenkten, ein paar hübsche Brasilianerinnen mit blaugelbem Makeup die ersten Ausnahmen, dann folgten die europäischen Südländerinnen – als Kontrast zu den meist übergewichtigen Männermassen. Spätestens seit dem Sommermärchen 2006 aber sind auch die deutschen Mädchen und Frauen Teil der selbstverständlichen Fankultur.

Selbstverständlich? Zwar gehören Nachrichtensprecherinnen und Moderatorinnen längst zum Bild und Schirm der (mindestens) zweigeschlechtigen Menschheit. Nur über Fußball-Kommentatorinnen haben wir alle offenbar nie viel nachgedacht. Es gibt ja Wichtigeres auf der Welt, es geht nur um Fußball, hat auch Claudia Neumann gesagt, als sie als erste deutsche Fernsehfrau zwei (nicht deutsche) EM-Partien, zwei von insgesamt 51 Spielen, kommentieren durfte.

Nicht mal ignorieren, die schöne Berliner Regel, ging leider nicht angesichts des Shitstorms in den „asozialen Netzwerken“ (ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz). Aber haben ARD und ZDF wirklich stark reagiert auf so viel Frauenhass und Menschenverachtung?

Da sagen die Starkicker immer wieder „No to Racism“. Doch der rassistische Hooliganismus ist offenbar weiter verbreitet als nur bei den exzessiven Straßen- und Stadionschlachten. Er sitzt auch auf der TV-Couch. Mann nennt sich Fan und ist: ein Fußballfaschist. Mir hätte imponiert, wenn ARD und ZDF mal unbürokratisch reagiert und jetzt mehr Jounalistinnen mit hinters EM-Kommentatorenmikro gesetzt hätten. Vielleicht könnte uns eine sogar erklären, warum nicht nur die (Nord-)Iren selbst in der Niederlage die besseren Lieder haben als die bloß „Sieg!“ schreienden Siegerfans.

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