Medien : "Vor Sonnenuntergang": Ein Klassisches Drama

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Klassische Dramenstoffe zu verfilmen ist so eine Sache. Inszenierungen wirken im Fernsehen oft langatmig und platt. Ihnen fehlt, wovon das Theater lebt: die Interaktion zwischen Bühne und Zuschauer. Der Film "Vor Sonnenuntergang" nach Motiven des deutschen Dramatikers Gerhart Hauptmann ist eine Ausnahme (20 Uhr 15, ARD). Nicht nur beim Drehbuch bewiesen Autorin Ulli Stephan und Regisseurin Dagmar Damek ein glückliches Händchen. Auch die Besetzung brilliert in der modernen NDR-Fassung des Dramas von 1932.

Drehort Hamburg. Harald Juhnke verkörpert den fast 70-jährigen Großverleger Dr. Johannes Benning, der sich drei Jahre nach dem Tod seiner Frau noch einmal unsterblich verliebt. Die Angebetete ist eine junge Germanistik-Doktorandin Rena, dargestellt von Julia Stemberger. Allen Unkenrufen zum Trotz läßt sich Rena auf eine romantische Liebesbeziehung mit dem Mann ein, der ihr Großvater sein könnte. Am meisten rebellieren Bennings Töchter gegen die Nebenbuhlerin. Nesthäkchen Juliane (Susanna Simon) sieht das Andenken der verstorbenen Mutter beschädigt. Seine Älteste, die hysterische und alkoholsüchtige Chris (Claudine Wilde), und ihr jähzorniger Ehemann Thomas Kellermann (Jörg Schüttauf) verdächtigen Rena, das millionenschwere Verlagserbe der Familie erschleichen zu wollen. Kurzerhand heckt Thomas einen teuflischen Plan aus: Mit Hilfe eines befreundeten Arztes will der Schwiegersohn Johannes glauben machen, dass er todkrank sei. Um seine geliebte Rena nicht zu belasten, flüchtet der vermeintlich Todgeweihte verzweifelt in deren ehemaliges Liebesnest am Meer, um dort seinen letzten Sonnenuntergang zu erleben. Dass man Harald Juhnke diese schwierige Rolle so leicht abnimmt, liegt wohl auch daran, dass, wie er selbst sagt, "schon ziemlich viel Juhnke" darin steckt.

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