Medien : Vorsicht! Werbung: Aus der Bahn

Reinhard Siemes

Als Bahn-Chef Mehdorn unlängst von den schmutzenden Bahnkunden sprach, gab es einen bundesweiten Schrei der Empörung: Die Bahn ist das Schwein, weil sie die Wagen nachlässig oder gar nicht reinigt! Und dann macht sie auch noch Werbung, in der sie die Autofahrer und den Flugverkehr auf den Arm nimmt. Zudem behauptet sie, über 90 Prozent aller ICE seien pünktlich. Wohl größenwahnsinnig geworden!

Tatsache ist, dass ich schon öfter in einen frisch gereinigten ICE eingestiegen bin - und nach 300 km sahen die Toiletten aus, als würde der Zug Neandertaler befördern. Im Flieger, ja, da ist man sich zu fein, den Urmenschen raus zu lassen. Auch Verspätungen sind da etwas völlig anderes. Wie Lämmer hocken die Passagiere in den Warteräumen und sind glücklich über jede Information, die nicht kommt. Liegt aber ein ICE fünf Minuten über der Zeit, verwandelt sich der Bahnsteig sofort in eine Rohrspatz-Kolonie.

Ausgerechnet die Bahn, diese Bahn, zeigt in einer Anzeige einen Himmel mit kreisenden Flugzeugen und der Überschrift: "Deutschlands Manager machen zu viele Überstunden." Mehdorn hat doch sowieso einen Privat-Jet, oder? Noch absurder wird es an Ferien-Wochenenden. Herr K. aus H. hat nach sechs Stunden Stau auf der Autobahn die Faxen dicke. Er stellt seinen Wagen in Nürnberg ab, um die verbleibenden 260 Kilometer bis zum Tegernsee mit der Bahn zu fahren. Und dann - typisch Mehdorn - kein Sitzplatz. Nicht einmal für seine Frau. Aber der Gipfel kommt noch: Im Bistro gibt es kein Bier. Drei lustige Kegelvereine haben die Bestände in 4 1/2 Stunden leer gesoffenen. Aber meine Herren von der Mitropa, das weiß man doch vorher! So kommt es, dass Herr K. beim nächsten Urlaub wieder auf sein Auto setzt. Der Bahn kann man doch kein Wort glauben.

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