Medien : Vorsicht! Werbung: Der Schaum-Trick

Reinhard Siemes

Penaten, die altrömischen Gottheiten der Vorratskammer, sind seit einigen Wochen ähnlich verwirrt wie viele Mütter. Das Baby-Shampoo, dem sie ihren Namen leihen, war über Jahre ein bissiges Seifengemisch. Erst eine neuerliche und elementare Produktverbesserung hat es lieb und augenfreundlich gemacht. "Keine Tränen mehr", steht jetzt auf der Flasche. Dazu noch das beliebte Wörtchen "Neu". Doch was wie eine späte Einsicht klingt, ist nichts als ein plumper Trick.

Neu sind allein zwei Maßnahmen zum Mehrverbrauch und die durchsichtige Kunststoffflasche. Johnson & Johnson, Hersteller des Kopfwaschmittels, haben einfach den Anteil der "waschaktiven Substanzen", vulgo Seife, zurückgefahren. Der Effekt ist ein doppelter: Das Shampoo wird schwächer und arbeitet mit gebremstem Schaum. Weil Mutti aber ein sauberes Kind haben möchte, schüttet sie so lange nach, bis das Baby die gewohnte Schaummütze hat. Geht ja jetzt auch viel leichter, denn die Öffnung in der Flasche wurde deutlich vergrößert.

Ein weiteres Problem bekamen die Hersteller in den Griff: Früher war das Shampoo farblos, was in der jetzt durchsichtigen und billigeren Flasche ein bisschen substanzlos ausgesehen hätte. Also wurde die Flüssigkeit honiggelb eingefärbt. Mithin eine mustergültige Produktoptimierung - für Johnson & Johnson: Seife gespart, Mütter zum Mehrverbrauch animiert, billigere Flasche.

Nur die Honigfarbe verursacht minimale Mehrkosten. Die aber werden mehr als wettgemacht. Die Produktinformationen, die früher ein eigenes Etikett hatten, befinden sich jetzt auf der Rückseite des Frontetiketts. Die Mutti muss also versuchen, mit den Augen den gelben Inhalt der Flasche zu durchdringen, um die winzige Schrift zu entziffern. Ein Vorteil bleibt: Die Flasche lässt das Baby viel schöner erscheinen - so hässlich ist sie.

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