Medien : Vorsicht! Werbung: Die Cola, die klebt

Reinhard Siemes

Anfang März 2001 veranstaltet der Art Directors Club für Deutschland (ADC) in Berlin seinen jährlichen Wettbewerb und verteilt Medaillen für die besten Anzeigen, TV-Spots und Plakate. Mit im Geschäft sind an die 400 Funkspots. Vielleicht auch neue 60-Sekünder von Afri Cola. Die alten haben Sie hoffentlich nicht mehr in Erinnerung: "Ich wünsche mir eine Welt, in der alle unanständigen Wörter im Lexikon durchgestrichen sind. In der man Pizza-Lieferanten einfach mal mitessen lässt. Eine Welt, in der sich Boxer nicht schlagen, sondern einfach mal darüber reden. In der man sich stundenlang mit der Frau von der Auskunft unterhalten kann." So weltet es weiter - bis zu dieser verbalen Klimax: "Eine Welt, in der Kinder und Kampfhunde friedlich miteinander spielen. Und dabei summen: "Habt Euch lieb und werdet durstig. afri cola." Gesprochen wird die Zuckerwasser-Prosa zu Schlagermusik aus den Siebzigern von einer Dame in den Siebzigern. Dafür gab es im letzten Jahr von den ADC-Juroren eine Silbermedaille. Auch Herr Werner Karcher von afri cola ist mächtig stolz auf die Elaborate. Wegen dem Humor. Die Spots sind nämlich nicht triefig, sondern witzisch, wie mir eine Texterin der Werbeagentur versicherte.

Daran sehen Sie, dass auch kreative Experten bisweilen auf ihren Ohren sitzen. Wünschen Sie sich darum eine Welt, in der Pizzalieferanten schnell kommen und hurtig wieder gehen. In der die Frau von der Auskunft genau macht, was sie soll: Möglichst rasch die Telefonnummer finden. Eine Welt, in der sich Boxer sauber was auf die Nase geben. In der richtig säuische Wörter im Lexikon stehen. Eine Welt also, in der man die Rundfunkhörer nicht mehr verarscht. Und in der Kampfhunde unfruchtbar werden, weil sie zu viel von der Brause gesoffen haben.

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