Medien : Vorsicht! Werbung: Die Hungerharken

Reinhard Siemes

Bestimmt haben Sie sich schon einmal gefragt, warum in der Mode - ob in Zeitschriften oder in der Werbung - nie Menschen gezeigt werden, die eben diese Mode kaufen sollen. In Kleidern stecken vornehmlich bulimische Schulmädchen. Anzüge werden von dunkelhaarigen Gelfrisuren präsentiert, unter denen sich Gesichter befinden, die das gesamte Universum zum Kotzen findet.

Die Gründe dafür sind höchst menschlich. Bei den Kerlen liegt es an den Hemden, die sie unter den Anzügen tragen. Hemdenmacher nähen mit Vorliebe kleine pieksende Größenetiketten in die Hemden. Und zwar dort, wo sie am gemeinsten sind - innen in die Kragenleiste. Boss zum Beispiel benutzt dazu extra steife Kunstfaserteile, die man nur zusammen mit dem Kragen entfernen kann. Entsprechend ist der Gesichtsausdruck der Boss-Modelle. Weil sie Boss-Chef Ballessandri nicht ans Bein können, übertragen sie ihren Unmut auf ihre Mutter. Sie setzen Mienen auf, als müssten sie der Guten beim Abwasch helfen.

Für die hungerharkigen Kinder aus der Damenmode sind ebenfalls Frauen im Mutteralter verantwortlich. Nämlich Chefredakteurinnen und Art-Directorinnen. Bis diese ihre maßgeblichen Positionen erreicht haben, müssen sie jahrelang Frondienste als Assistentinnen oder Volontärinnen leisten. Häufig für alte Männner. Und meist zu Löhnen, die allenfalls für Fummel vom Polenmarkt reichten.

Jetzt haben sie es zwar geschafft. Aber die Mädchen, mit denen sie arbeiten, verdienen nicht selten 15 000 Dollar pro Tag. Das kriegen sie, die Schrift- und Bildleiterinnen, gerade mal in zwei Monaten. Entsprechend groß sind Neid und Hass. Also werden die Mädchen bestraft. Sie müssen immer jünger werden. Und immer dünner - häufig unter Zuhilfenahme von Abführmitteln und Kokain. So haben sie zwar Geld, aber keine Jugend, die ihnen erlaubt, das Geld zu genießen. Das ist schlimmer als Garderobe vom Polenmarkt.

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