Medien : Vorsicht! Werbung: Die Millionen-Seuche

Reinhard Siemes

Vor ein paar Jahren ging es in den Quiz-Sendungen im Fernsehen noch um zehn- bis zwanzigtausend Mark. Wer Pech hatte, wurde Besitzer einer schrecklichen Wohnungseinrichtung. Inzwischen aber werden Stammtisch- und Disco-Wissen mit Beträgen bis zu zehn Millionen belohnt. Da fragt sich der Fernsehzuschauer mit 3500 Mark netto im Monat: "Wo kommen sie her, die Millionen, die Woche für Woche über die Kandidaten ausgeschüttet werden?"

Die Erklärung ist einfach, beginnen wir von hinten: Zweitens kommen diese Millionen aus der Werbung. Die Zuschauer-Quoten sind nach wie vor so gewaltig, dass sich am liebsten jede Monatshygiene in die Werbeblöcke schieben möchte. Erstens aber kommen sie von Ihnen, den Zuschauern. Angenommen, jemand sagt: "Du mit Deinem Wissen musst unbedingt mitmachen." Also greifen Sie zum Telefon - oder lassen greifen - und rufen eine der gepriesenen 0190er-Nummern an. Die kosten im günstigsten Fall um die 1 Mark 20 pro Minute. Bei Sat 1 brauchen Sie etwa 150 Sekunden, um sich belanglose Informationen anzuhören, drei lächerliche Fragen zu beantworten und Namen und Telefon durchzugeben. Dazu Ihre vollständige Adresse. (Wozu?) Macht drei Mark. 20 Prozent kriegt die Telekom. Den Rest behält der Sender.

Im Laufe einer Woche wird 0190/24 25 24 mindestens 800 000 mal angeklingelt - was sehr vorsichtig geschätzt ist. Das sind schlappe 1,9 Millionen für Kirch & Co. Selbst wenn es für Sat 1 schlecht läuft und die Kandidaten an den fünf Sendetagen eine Million einsacken, bleiben immer noch 900 000 Mark. Minus 400 000 Mark für die Produktion der Sendungen und Lizenzgebühren. Plus die Einnahmen aus der Werbung.

Darum dieser Vorschlag: Statt sich für eine Quiz-Sendung zu bewerben, sollten Sie lieber eine neue erfinden. Aber vorher bitte zum Anwalt gehen und nach dem Urheberrecht schützen lassen! Widrigenfalls gehören Sie auch weiterhin zu den Anrufern, die drei Mark abdrücken müssen.

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