Medien : Vorsicht! Werbung: Die Natur der Werbung

Reinhard Siemes

Es gibt immer wieder Menschen, die der Werbung vorwerfen, sie würde beschönigen - indem sie Produkte von der Zuckerguss-Seite zeigt und Nachteile grundsätzlich verschweigt. Das ist wohl wahr und so alt wie die Menschheit - wie Flora und Fauna.

Die besten Werbefachleute in der Natur sind die Blumen. Besonders jetzt, im Mai. Mit wunderbaren Blüten versuchen sie, fliegendes Getier aller Art anzulocken. Ihre freudlosen Stiele und die hässlichen Wurzeln aber verstecken sie. Auch den Umstand, dass die Blüte oft nur wenige Tage anhält, verraten sie nicht. In der Fauna geht es ähnlich zu, meist jedoch konträr zur menschlichen Werbung. Bei vielen Tierarten brezeln sich die Kerle auf, und die Weibchen sind das graue Geschlecht.

Kommen wir zu uns, den Menschen. Kaum hatten wir gelernt, mit behauenen Steinen umzugehen, begannen wir, aus Holz und Weichsteinen Schmuckstücke herzustellen. Wozu? Allein zur Beschönigung unserer haarigen Körper. Einige hundertausend Jahre später ließen sich unsere Priester und Herrscher riesige Werbekampagnen in Form von Pyramiden, Tempeln und Palästen bauen. Gleichzeitig erfanden sie die ersten Werbetafeln in Form von Wandmalereien. Die christliche Kirche des Mittelalters betrieb bereits konsequentes Marketing - allerdings in die falsche Richtung. Und die Regenten der Gegenwart, also die Wirtschaftsfürsten, stecken allein in Deutschland über 65 Milliarden Mark pro Jahr in die Werbung. Die sind genauso rausgeworfen wie das Geld, das Sie gerade für neue Frühjahrsklamotten ausgegeben haben.

Wollen Sie mir ernsthaft erzählen, dass diese Teile etwas anderes sind als Bestandteil Ihrer ganz persönlichen Werbekampagne? Werbung ist die natürlichste Sache der Welt. Allerdings mit dem erfreulichen Unterschied, dass es in der Natur keine e-plus-Spots gibt.

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