Medien : Vorsicht! Werbung: Die Vorkoster aus Ostdeutschland

Reinhard Siemes

Rechtzeitig zum 40. Jahrestag der Berliner Mauer bekommen die Bewohner der neuen Bundesländer eine neue Segnung der westlichen Zivilisation: Die Fruchtbrause Fanta Mango von der Coca-Cola GmbH in Essen. Womit haben sie das verdient? Mit ihrer Aufgeschlossenheit allem Neuen gegenüber, sagt die Coca-Marketingabteilung. Brandenburger und Sachsen werden demnach zu Vorkostern erhoben, was in früheren Zeiten ein ehrenwerter Beruf an europäischen Höfen war: Überlebte der Probierer die Speisen und Getränke, konnte der Regent davon ausgehen, dass sie nicht vergiftet waren. So einfach war das.

Nun ist die Fanta Mango alles andere als giftig. Möglicherweise ist sie sogar gesund. Fragt sich nur, warum ausgerechnet der Ossi den Probeschlürfer machen muss? Allein wegen seiner Neugier? Die Wertschätzung, die er im Westen genießt, kann es kaum sein.

Vor einiger Zeit wurde ich in einer Frankfurter Werbeagentur mit Plakaten für die Zigarettenmarke F6 konfrontiert. Normalerweise liefern die Kreativen dieser Agentur gute bis sehr gute Kampagnen ab. Die Werke für F6 jedoch waren dicht am mentalen Sondermüll. "Wie könnt Ihr so was machen?" "Tja, wir wissen selbst, dass die Sachen nicht gut sind. Aber sie laufen nur im Osten. Da denken die Leute noch einfacher." Da ist sie also wieder, die Mauer, die angeblich nur noch in den Köpfen von rechtslastigen Wessis und alten SED-Genossen existiert.

Vor elf Jahren habe ich in Berlin einen Vortrag zur Frage gehalten: "Können wir die Werbung aus dem Westen eins zu eins im Osten laufen lassen?" Mein Resümee war "Nein!" Allerdings hatte ich keine speziellen Dummbeutel-Kampagnen vor Augen. Sondern Werbung ohne grüne Segel und ohne Frauen mit weißen Hüten. Nur, wie soll das gehen, wenn 80 Prozent der Ostkampagnen von Wessis gemacht werden?

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