Medien : Vorsicht! Werbung: Lieber 18 als 180

Reinhard Siemes

Was in früheren Jahren die Waschmittelreklame war, ist heute die Autowerbung: Ideenlos und lächerlich. Ob der Gomorra GTX 2000 Turbo Competition oder der Matusha Multivan, sie alle jagen mit 180 Sachen über Straßen ohne Gegenverkehr. Grünes Land oder Wüste. Serpentinen oder Geraden bis in die Unendlichkeit. Und der Wüstenfuchs am Wegesrand staunt dazu. Gern genommen werden auch Uferstraßen. Aber bitte mit dunklem Belag, wegen Kontrast. Stadtverkehr hat in der Werbung nichts zu suchen. Und wenn, dann in Cannes auf der leergefegten Croisette mit den schönen Palmen zum Meer hin. Das ist verständlich, weil auch das schönste Auto im Stau an Reiz verliert.

Inzwischen aber nerven die rollenden Blechteile wie weiland die blütenweiße Wasche auf Muttis Leine. Umso erfreulicher ist darum der Mercedes-Film für das Sport-Coupé der C-Klasse. Der geht so: Lehrerin fragt ihre Schüler (so um die zwölf), was sie einmal werden möchten. Klar doch: Astronaut, Archäologe, Pilot usw. Derweil schaut Paul (oder so ähnlich) aus dem Fenster und sieht, wie ein wunderschönes, silberglänzendes Sport Coupe anfährt. Verständlich, dass er die Frage der Lehrerin nicht hört. Die setzt nach: "Paul! Was möchtest du werden?" "Achtzehn."

Wenn ich diesen Spot in drei Sätzen erzählen kann, liegt das an seiner klaren Idee. Ganz anders die berühmten Landstraßen-Filmchen: "Also, wir sehen eine spanische Küstenstraße in der Nachmittagssonne als Totale. Der Song "The Way to Freedom" setzt ein. Am Himmel schwebt ein Adler auf den Küstenwinden. Kamera fährt auf die Straße, die nach rechts hinter einem Felsen verschwindet. Die Musik wird etwas zurückgenommen und wir hören den satten Sound des Sechszylinders, der sich noch hinter dem Felsen befindet. Er biegt um den Felsen ... , und der Adler bleibt in der Luft stehen und hält sich die Flügel vor die Augen - weil er den langweiligen Spot nicht ertragen kann.

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