Medien : Vorsicht! Werbung: Schön warm

Reinhard Siemes

Seit jüngstem gibt es ein Fernseh-Pärchen der besonderen Art: Holger und Max erwärmen gemeinsam die Fertiggerichte von Langnese-Iglo. Dass sie dazu keine Frauen oder gar Partnerinnen brauchen, lassen sie mehr als deutlich durchblicken. Will sagen, die beiden sind schwul.

So etwas ist in der deutschen TV-Werbung überraschend, dicht am Mut. Umso mehr, als die Unilever-Tochter Langnese-Iglo nicht unbedingt zu den schrillsten Auftraggebern der Branche gehört. In den 80ern gab es zwar mal zwei nette Langnese-Eiscreme-Filmchen von "Schtonk"-Regisseur Helmut Dietl. Aber danach kam werblicher Eintopf. Wären die Spots mit Holger und Max ein bisschen weniger deutsch, also nicht so zwanghaft witzisch, könnte ich mir sogar ein Lob abringen. Aber im allgemeinen Werbeumfeld fallen sie auch ohne komödiantische Spitzenleistungen angenehm auf.

Sie stehen damit im krassen Gegensatz zur affigen Kleidertunte von e-on, die der guten Veronica Ferres irgendetwas hinterher ruft, weil diese ins Wasser gehen will. Der e-on-Film läuft nach dem Prinzip: "Jetzt nehmen wir mal eine Schwuchtel. Das ist saukomisch." Holger und Max aber sind eine Idee, die fällig war: Für warme Mahlzeiten sollen die werben, die es am besten können.

Wenn wir so lange auf eine Kampagne dieser Art warten mussten, liegt das an den vielen Erbsenzählern in der deutschen Werbung. Die rechnen vor: Gerade mal zwölf bis fünfzehn Prozent der Bevölkerung sind schwul, mithin eine viel zu kleine Zielgruppe. Dass viele von ihnen guten Geschmack haben, gut verdienen und notgedrungen über ein hohes Maß an Selbstironie verfügen, vergisst der Reklame-Buchhalter. Und dass sie mit ihrem Humor ein Produkt sympathisch machen können, will ihm ohnehin nicht in den Sinn. Nur im Tennisclub, da ist er derjenige, der über Schwulenwitze am lautesten grölt.

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