Medien : Vorsicht! Werbung: Werbewunschzettel

Reinhard Siemes

Liebes Jahr 2002, erlaube mir, dass ich im Namen vieler Fernsehzuschauer und Zeitungsleser einen unbescheidenen, ja, vermessenen Wunsch äußere: Mach, dass alle werbenden Firmen und Werbeagenturen die Verbraucher lieben, zumindest aber achten. Dann nämlich sind wir sie endlich los, die Claudias, Uschis und Veronas, die Gottschalks, den Franz, Mika, Roberto und all die anderen überzahlten Sprücheaufsager. Grafiker und Texter müssen plötzlich nachdenken und lassen sich bei dieser Gelegenheit vielleicht Anzeigen und Spots einfallen, über die wir uns freuen können.

Etwa den Falkner, der auf seinem dicken Lederhandschuh einen Wellensittich sitzen hat und so Werbung für besonders kräftigendes Sittichfutter macht. Oder die Anzeigen für den Optiker aus Amsterdam, der in dringenden Fällen ganz schnell die richtige Brille liefert: Vor zwei Pantoffeln mit Hundegesichtern hat jemand einen Futternapf gestellt. In einer Kunstausstellung beugt sich ein Besucher über das kleine rote Kästchen mit dem Feuermelder, das sich zwischen zwei Kunstwerken befindet. Und auf einer Herrentoilette trocknet sich ein Mann die Hände an der weißen Jacke eines Kellners ab, der vor ihm seine Hände an dem Handtuchroller trocken wischt.

Das alles sind wunderbare einfache Ideen. Doch sie zu entwickeln, ist leider sehr mühsam. Außerdem könnten die Verbraucher darüber schmunzeln oder gar lachen. Und das gehört sich nicht in der deutschen Werbung. Sicher, ein paar Böllerchen gab es auch bei uns: Die Angela mit der Cabrio-Friseur, die Filme für den Mini von BMW oder für Mercedes. Aber haben die Verbraucher nicht mehr davon verdient?

Vor einiger Zeit habe ich für ein kluges kleines Buch den Satz geschrieben: Ein schönes Produkt zu kaufen, macht den Menschen Freude. Wir, die Werber, sind zuständig für die Vorfreude. Irgendwie kriegen wir das nicht auf die Reihe. In diesem Jahr aber wird alles besser - hoffe ich, seitdem ich in der Werbung arbeite. Und das sind drei Jahrzehnte.

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