Medien : Vorstellungsgespräch

Was plant David Montgomery mit dem Berliner Verlag?

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Die Hängepartie nähert sich dem Ende. Mehr als drei Jahre sind vergangen, seitdem die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck den Berliner Verlag gekauft hat. Indem die dort erscheinende „Berliner Zeitung“ und der Tagesspiegel verlagswirtschaftlich fusionieren, sollten die beiden Blätter redaktionell eigenständig auf wirtschaftlich gesunder Basis arbeiten können. Doch die Übernahme wurde untersagt.

Holtzbrinck unternahm mehrere Anläufe beim Kartellamt und vor Gericht, versuchte mit Hilfe der Zeitungsverleger und der Politik, die mittlerweile auch von Edmund Stoiber (CSU) als überholt bezeichnete Pressefusionskontrolle neu zu regeln. Vergebens. Noch immer gelten die seit 1976, also vor Entstehen von Privatmedien und Internet eingeführten engen Marktabgrenzungskriterien. Danach erscheinen in Berlin zwar fast ein Dutzend Zeitungen, die untereinander und mit elektronischen Medien um Leser und Werbekunden konkurrieren. Als Markt wird jedoch nur der der Berliner AboTageszeitungen „Berliner Morgenpost“, „Berliner Zeitung“ und Tagesspiegel gesehen. Wettbewerber, Politiker und Kartellamt vertraten den Standpunkt, Holtzbrinck erhalte eine marktbeherrschende Stellung.

Da keine Aussicht auf Änderung besteht, muss eine der beiden Zeitungsgruppen verkauft werden. Holtzbrinck verhandelt derzeit mit Interessenten sowohl für den Tagesspiegel als auch für die „Berliner Zeitung“. Für den Berliner Verlag interessiert sich eine Investorengruppe aus den Beteiligungsunternehmen 3i, David Montgomerys Mecom und Veronis Suhler Stevenson. Sie machen sich die kartellrechtliche Situation zunutze. Führen die Verhandlungen zum Erfolg, werden erstmals Private-Equity-Firmen Eigentümer eines deutschen Zeitungsverlags sein. Ein Novum, das im Berliner Verlag große Unsicherheit auslöst.

Am Donnerstagmittag wurde die Führungsspitze des Berliner Verlags ins Hotel Esplanade eingeladen. Dort traft sie erstmals auf den Kaufinteressenten David Montgomery. Der Zeitungsmanager ist ein Ulsterman aus Belfast, ein Schlag, der für Sturheit und Sarkasmus bekannt ist. In der britischen Presse hat er wenig Anhänger. Zu den seltenen positiven Aussagen gehört die der Journalistin Jane Moore. Sie schrieb im „Independent“ über ihn: „Er war ein Bastard, aber ein fairer Bastard.“ Sie habe so viel bei ihm gelernt, Ehrgeiz, Schnelligkeit und Kreativität, aber auch, wie man sich eine dicke Haut zulegt. Ansonsten überwiegen Charakterisierungen wie jene des früheren „Indenpendent“- Journalisten Andrew Marr, heute bei der BBC: „Er hat die Mentalität eines Terriers“.

Anders als in der Presse dargestellt sei Montgomery beim Lunch im Esplanade höflich und vorsichtig aufgetreten, sagt einer der Teilnehmer aus dem Berliner Verlag. Uwe Vorkötter, Chefredakteur der „Berliner Zeitung“, soll ihn mit Zitaten aus der Presse provoziert haben – Montgomery reagierte gelassen. Über Strategien und Businesspläne redete er nicht mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen. Er dementierte jedoch Spekulationen, der Berliner Verlag solle zerschlagen, die Druckerei und das Stadtmagazin „Tip“ verkauft werden. Es werde lediglich ein Profitziel vorgegeben. Dies gelte es zu erreichen. Auf welche Weise, das sei die Sache des Managements. Wie hoch die Profiterwartungen sind, soll er nicht gesagt haben.

Montgomery kündigte an, dass seine Firma Mecom nur 15 Prozent des Berliner Verlags erwerben wolle. Gleich hohe Anteile würden die Private-Equity-Firmen 3i und VSS übernehmen. Die restlichen Anteile seien für das lokale Management, also die bestehende Geschäftsführung und wohl auch Chefredakteure des Berliner Verlags reserviert. Sie würden zu Miteignern und sollen an der Wertsteigerung des Unternehmens teilhaben.

Als Chef der Mirror-Gruppe hat Montgomery einst den Kapitalwert des Unternehmens von 230 Millionen auf 1,2 Milliarden Pfund gesteigert. Journalistisch hatte er den „Mirror“ ausgedünnt, die Auflage war weiter gesunken. Der „Economist“ schrieb damals: „Montgomery versuchte, die Zeitung als schlankes, aggressives Unternehmen zu führen. Aber bei Zeitungen funktioniert das nicht so einfach.“

Am heutigen Freitag findet im Berliner Verlag eine Betriebsversammlung statt.

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