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Vorwurf der Spionage : Berliner Fotoreporter in der Türkei wieder frei

Die drei inhaftierten deutschen Fotoreporter sind aus der Haft entlassen worden. Die Journalisten wollten über die Proteste gegen die von der Terrormiliz IS eingekesselte syrische Stadt Kobane berichten. Zwei von ihnen arbeiten unter anderem für den Tagesspiegel.

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Ruben Martin Neugebauer (2.v.l.) wurde im türkischen Kurdengebiet kurzzeitig festgenommen.
Ruben Martin Neugebauer (2.v.l.) wurde im türkischen Kurdengebiet kurzzeitig festgenommen.Foto: AFP

Es gibt ruhigere Einsatzorte als die des Foto-Journalisten Björn Kietzmann. Vor ein paar Tagen stand eine Geschichte über einen ungewöhnlichen, privaten Hilfstransport an die syrische Grenze im Tagesspiegel („3433 Kilometer Herzklopfen“), den der Fotograf zusammen mit dem Kollegen Ruben Neugebauer begleitet. Am Sonntag wurde bekannt, dass Kietzmann im Südosten der Türkei mit zwei anderen deutschen Fotoreportern festgenommen worden war. Dies berichteten ihre Kollegen sowie das kurdische Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V., Civaka Azad. Die drei wurden in der Nacht zu Montag gegen 3.30 Uhr aus der Haft entlassen. Sie würden sich jetzt mit Anwälten beraten. Ihre Ausrüstung (Kameras, Handys etc.) ist wohl immer noch bei der Polizei und wird ausgewertet.

Zusammen mit den Reportern im Gefängnis waren angeblich zwei weitere Deutsche, sie seien "Touristen" und sind mittlerweile auch wieder frei. Die Verhaftung sei "ruppig" gewesen, im Gefängnis habe man sie aber gut behandelt, sagen sie. Am Montag wird es im Laufe des Tages einen Termin beim Staatsanwalt geben. In Berlin soll es um 16.30 Uhr eine Kundgebung vor der türkischen Botschaft geben. Der türkische Agrarminister Mehdi Eker warf den deutschen Reportern vor, Kinder zu Protesten angestiftet zu haben.

Björn Kietzmann, Chris Grodotzki und Ruben Neugebauer wurden am Samstagnachmittag von der türkischen Polizei in Diyarbakir, einem Zentrum der Kurdenproteste in der vergangenen Woche, festgenommen. Ihnen werde vorgeworfen, Spione und Provokateure zu sein. Eventuell haben sie eine Ausgangssperre missachtet, die Infos sind sehr vage.

Die drei Fotografen waren in der kurdisch geprägten Region, um über die Proteste gegen die von der Terrormiliz IS eingekesselte syrische Stadt Kobane zu berichten. Dabei waren im Südosten der Türkei mehr als 30 Menschen getötet worden. In 35 der 81 türkischen Provinzen war es zu Ausschreitungen gekommen.

Kietzmann, der seit 2009 als freiberuflicher Fotoreporter arbeitet, gehört dem Berufsverband Freelens an. Er schrieb am Samstag auf Twitter: „Zusammen mit 2 weiteren dt. Journalisten im türkischen #Diyarbak?r festgenommen, weil wir über kurdische Proteste berichten wollten.“ Grodotzki gehört der Fotografen-Kooperative „Visual Rebellion“ an und gewann unter anderem 2013 den „dpa News Talent Award“. Neugebauer, ebenfalls von „Visual Rebellion“, hat unter anderem für den Tagesspiegel, die „Süddeutsche Zeitung“, den „Spiegel“ sowie die „taz“ gearbeitet. Laut Auswärtigen Amt sei die deutsche Botschaft in Ankara über die Festnahmen informiert und bemühe sich nun um Aufklärung. (mit dpa)

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