Medien : Voyeuristischer Hausfriedensbruch

-

Herr Renner, worüber haben Sie sich in der vergangenen Woche in den Medien am meisten geärgert?

Wer Politiker bei „Wetten, dass...?“ fehl am Platze findet, muss alarmiert sein, wenn ihnen „Bild“ und RTL Leserreporter auf den Hals hetzen. Dadurch, dass sie einen Ex-Finanzminister beim Baden oder einen Bundestagsvizepräsidenten beim Wandern zeigen, dringen sie in die Privatsphäre von Menschen ein, die, anders als ein Popstar, diese nicht zum Bestandteil ihres Geschäftsmodells gemacht haben. Dieser voyeuristische Hausfriedensbruch heizt einen Trend an, der das Gemeinwohl gefährdet: Der Politiker mutiert zum omnipräsenten Darsteller von Politik, statt gestaltender Akteur zu sein.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?

Freude? Vorfreude! Ich bin ein Kind der Achtziger. Ich wehre mich, wenn mir Menschen ihre Meinung als objektiv verkaufen wollen. Besonders, wenn es Journalisten sind. Wo ich herkomme, ist man ehrlich, wenn man subjektiv ist. Das Zentralorgan der Subjektivität war „Tempo“. Die Zeitschrift starb Mitte der Neunziger und ersteht am 24.11. für eine Ausgabe wieder auf. Kein schwiemeliges Revival, sondern ein einmaliges Erinnern an eine große Zeit. So machen mir Medien Spaß.

Tim Renner . Der

ehemalige Chef von „Universal“, 42, leitet heute das von ihm gegründete „Motor Entertainment“ (Radio, Musiklabel, Verlag, Fernsehen).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben