Medien : Wagner & Sirenen

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Tom Peuckert verrät,

was Sie nicht verpassen sollten

Während im Popradio die musikalischen Charts jede Woche neu sortiert werden, gilt auf den Kulturkanälen eine ewige Bestenliste. Platz eins wird hier seit Jahrzehnten von Richard Wagner gehalten. Keine Wunschsendung, kein Klassik-Magazin, kein Nachtkonzert ohne Wagners Zugnummern. In wenigen Wochen hören wir wieder Live- Musik vom Bayreuther Hügel, doch zuvor startet Radio Kultur ein opulentes Unternehmen zur Wagner-Exegese. Insgesamt 26 Folgen lang erzählt uns Autor Peter Wapnewski alles über das große Werk. Der fast unendliche Diskurs beginnt mit der frühen Oper „Rienzi“ und führt bis zum Abschiedswerk „Parsifal“. Musikbeispiele, Analysen, Zeitgeschichte.

Wagner als paradoxes Genie der europäischen Musikgeschichte. Ein grandioser Erfinder im Dramatischen. Und eben die populärste Sirene des deutschen Kulturbetriebs seit Anfang an (Radio Kultur, immer sonntags, 15 Uhr 05 bis 17 Uhr, UKW 92,4 MHz).

Apropos Sirenen. Odysseus verstopfte sich die Ohren mit Wachs, als er an der Insel der mörderischen Sängerinnen vorübersegelte. Ein frühes Beispiel für menschliche Bemühungen, sich gegen ruinöse Geräusche zu wappnen. Im Feature „Die Verwüstung des Innenohrs oder Viel Lärm um nichts“ wendet sich Autor Dieter Jandt den psychischen Dimensionen des zeitgenössischen Lärmterrors zu. Wie Dämmstoffe und strenge Schallschutzbestimmungen etwas Ruhe ins Leben bringen sollen, aber das Klagen über die akustische Vermüllung der Umwelt trotzdem immer lauter wird. Jandt lässt es nicht auf eine Hassrede wider den Lärm ankommen, sondern formuliert das Problem mit dialektischer Pointe. Störender Lärm ist immer der Lärm des Anderen. Während das eigene Rumoren als vollkommen unbedenklich empfunden wird. Wer von uns lärmempfindlichen Autofahrern, Bohrmaschinenbesitzern und Freunden abgeschliffener Dielenfußböden fühlte sich da nicht irgendwie ertappt? (Deutschlandfunk, 14. Juli, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Ob der Philosoph Karl Popper, wie so viele kreative Köpfe, ein Lärmproblem hatte, ist nicht überliefert. Einerseits hat Popper eine sehr stille und gelassene Philosophie betrieben, die die radikalistischen Exzesse seiner Zeit in die Schranken wies. Andererseits kam der große Gelehrte Anfang des Jahrhunderts als Jude in Wien zur Welt. Kein Lebensschicksal, um die Stille der Welt zu genießen. In diesen Tagen feiert die gebildete Welt Poppers 100. Geburtstag. „Philosophie gegen falsche Propheten“ heißt eine informative Gedächtnissendung von Klaus Podak (Radio Kultur, 18. Juli, 21 Uhr).

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