WAHL-TV : Ex und top

„Ihre Wahl!“: Sabine Christiansen und Stefan Aust wollen für Sat 1 begeistern

Joachim Huber
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Neue Engagements. Die frühere ARD-Talkerin Sabine Christiansen und der frühere „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust arbeiten...

Schon seltsam, wie sich Wege kreuzen können. Sabine Christiansen, die Ex-Talkerin der ARD, und Stefan Aust, der Ex-Chefredakteur des „Spiegel“, begegnen sich vom 23. August in der Sendung „Ihre Wahl! Die Sat 1 Arena“. Und sie werden sich dort nicht nur begegnen, sie werden das Format gemeinsam moderieren. Fünfmal am Sonntag, um 22 Uhr 15. Zu dieser Uhrzeit waren Christiansen und Aust schon einmal ernsthafte Konkurrenten, als die Journalistin ihre politische Talkshow „Sabine Christiansen“ im Ersten leitete, während Aust „Spiegel TV“ bei RTL und Ende 1998/1999 gar für Sat 1 den (Christiansen-Vorläufer) „Talk im Turm“ seinem Fernsehtod entgegen moderierte.

Neue Zeiten, neue Freundschaften, neue Befürfnisse. Sat-1-Geschäftsführer Guido Bolten sagte beim Pressegespräch in  Berlin, zu einem ernst gemeinten Vollprogramm gehöre auch eine ernsthafte Berichterstattung im Vorfeld der Bundestagswahl am 27. September. „Wir wollen den Sender und das Thema mit Schwung nach vorne bewegen.“ Der Rückgriff auf die journalistische Kompetenz und die Fernseherfahrung von Christiansen/Aust hat da nahegelegen, die umgekehrt wieder ins Licht der TV-Öffentlichkeit rücken werden; zudem sind beider Firmen – Christiansens TV 21 Filmproduktion und Austs agenda media – an Redaktion und Produktion beteiligt.

Der Titel soll Programm sein: „Ihre Wahl! Die Sat 1 Arena“ soll mehr noch als die anstehenden Aktivitäten der TV-Konkurrenz auf Zuschauerbeteiligung setzen. Zusammen mit dem Publikum wollen die Moderatoren die Spitzenpolitiker in ein „Kreuzverhör“ nehmen. Geplant ist, dass Zuschauer über SMS, Telefon und eigene Videobeiträge das politische Personal befragen. Mit diesem Konzept möchte das Duo verdeutlichen, dass der Bürger die Wahlentscheidung selber in der Hand habe. Politik soll für jedermann anfassbar werden. Noch nicht festgelegt ist, ob ein oder mehrere Politiker je Sendung eingeladen werden. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (SPD) werden wahrscheinlich solo auftreten, welcher Politiker aber wann tatsächlich kommt, das wird sehr von deren Terminkalendern abhängen. Die Agenda des Wahlkampfs wird auch die Agenda der Wahlarena bestimmen.

Das Studio auf dem Gelände in Berlin-Adlershof, wo auch die direkte ARD-Konkurrenz „Anne Will“ produziert, kommt einem Amphitheater nahe. Während die Gäste aus der Politik – über die fünf Sendungen sollen Vertreter aller fünf im Bundestag vertretenen Parteien ihre Einladung bekommen – und die beiden Moderatoren in der Mitte sitzen und stehen, sollen steil ansteigende Sitzreihen für 170 Zuschauer eine dichte Atmosphäre schaffen. Das Studio ist in Blau-Grau-SchwarzTönen gehalten, Farbe kommt quasi über große Videowände hinein.

Christiansen und Aust wissen seit den enttäuschenden Erfahrungen, die RTL mit dem sogenannten „Town Hall Meeting“ machen musste, wie risikoreich eine Livesendung ist, die sich auf Beiträge aus dem Zuschauerkreis verlässt. „Die Gefahr ist da, dass eher vom eigenen Schicksal berichtet wird, als dass eine das große Publikum interessierende Frage gestellt wird“, sagte Christiansen. Deswegen werde ein Teil des Studiopublikums gecastet, ergänzte Aust, damit Thema und Gäste richtig „angefasst“ würden.

Die Zuschauerbeteiligung aus dem Studiorund ist das Standbein, die Teilnahme von außen das Spielbein. Hier vor allem sollen Bewegung und Tempo und Überraschung generiert werden. Wenn es den Überlegungen entsprechend läuft, dann sind Christiansen und Aust im wahrsten Sinne des Wortes Moderatoren; verhält sich das Publikum dröge, passiv oder selbstbezogen, dann wird das Duo zum „entscheidenden, zum aktiven Spielgestalter“ der 60 Sendeminuten, wie Stefan Aust ankündigte. Dann wird „Ihre Wahl! Die Sat 1 Arena“ zu einer Variation des bewährten Formats „Journalisten fragen – Politiker antworten“.

Beide Moderatoren wie auch Sat-1-Geschäftsführer Bolten zeigten sich vorsichtig, ob das Experiment, falls es denn glückt, über den Finaltag am 20. September hinaus verlängert, sprich in den Sat-1-Regelbetrieb überführt werden könnte. Christiansen untermauerte zwar ihre Absicht, „nur noch Sonderprojekte und keine regelmäßige Talkshow mehr zu machen“, doch vermittelte das Duo den Eindruck, im Erfolgsfalle überredet werden zu können. Und es wagte eine Prognose: Es werde nur ein einziges TV-Duell zwischen Merkel und Steinmeier geben, am 6. oder am 13. September. ARD, ZDF, RTL und Sat 1 werden übertragen, Sat 1 eine Wahlarena dranhängen.

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