WAHL & QUAL : „Quote schwach, Erfolg groß“

Sabine Christiansen resümiert ihre Wahlsendungen für den Privatsender Sat 1.

Ein Interview von Joachim Huber
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Nicht ohne Stefan Aust. Sabine Christiansen kann sich zwar keine wöchentliche, große Sendung mehr vorstellen, sehr wohl aber eine...dpa

Frau Christiansen, erstmals haben Sie eine Bundestagswahl für einen Privatsender, für Sat 1, begleitet. Was war anders als bei der ARD?


Der „Marsriegel“ und „Golden Toast“. Beide sind sicher, in Maßen und an anderer Stelle genossen, sehr schmackhaft. An der spannendsten Stelle einer Wahldebatte zwischen Guido Westerwelle und Jürgen Trittin liegen sie eher schwer im Magen. Wir freuen uns natürlich für Sat 1, dass sehr viel Werbung in der Sendung verkauft worden ist, aber das Wegzappen der Zuschauer in den Werbepausen drückt natürlich die Quote erheblich nach unten. Ansonsten war die Zusammenarbeit mit dem Sender mehr als angenehm.

Sat-1-Geschäftsführer Guido Bolten wollte „Ihre Wahl! Die Sat-1-Arena“ aus Imagegründen, nicht der Quote wegen. Ist das ein Trost für das insgesamt schwache Interesse an der interaktiven Polit-Show?

Nach langer Tradition im Polit-Talk mit Erich Böhme und seinem „Talk im Turm“ ist Sat 1 erstmals wieder mit einem derartigen Format auf die entwöhnten Zuschauer zugegangen. Der Platz ist schwierig, die Konkurrenz zu der Zeit groß. Das wussten alle Beteiligten. Aber hinter einer schwachen Gesamtquote verbergen sich erhebliche Erfolge bei den jüngeren Zuschauern, die uns, in einem moderneren Studio und neuer Optik, weitaus mehr gesehen haben als beispielsweise die ARD. Hinzu kommt ein geradezu überwältigendes Ergebnis bei der Zuschauerbeteiligung mit Tausenden von Twittermeldungen, Mails und SMS. Das war ein wichtiges Signal für künftige Vernetzungen derartiger Formate. Richtig beurteilen kann man den Erfolg einer Sendung sicher erst nach einem halben Jahr, das war bei „Sabine Christiansen“, „Maybrit Illner“ oder „Anne Will“ nicht anders.

Am Wahlabend sind Sie zusammen mit Stefan Aust nicht als Moderatorin, sondern als Analystin, ja Kommentatorin aufgetreten. Macht das mehr Spaß als das Stichwortgeben?

Glücklicherweise gehört Stichwortgeben weder zu Ihrem noch zu meinem Job. Das ist das Schöne an der Pressefreiheit in einer Demokratie. Daher sind für mich spannende Interviews, die Gestaltung von Sendungen und Diskussionen genauso interessant wie das Kommentieren an einem Wahlabend.

Teilen Sie die Beobachtung, dass Sie aus Ihrer Sympathie für Angela Merkel kein Hehl gemacht haben?

Wenn das so wäre, dann hätten wir sicher die Kanzlerin auch mit fliegenden Fahnen für eine Sendung gewinnen können. Vielleicht unterliegen manche „Beobachter“ angesichts der Flut von politischen Sendungen zur Wahl auch mal einer mehr erwünschten Wahrnehmung. Die Zuschauer dagegen ordneten Stefan Aust und mich als Moderatoren in ihren Mails eher dem anderen politischen Lager zu.

Werden Sie für Sat 1 weiterarbeiten?

Die Zusammenarbeit unserer Redaktion und Produktion mit dem Sender haben viel Spaß gemacht. Darauf aufzubauen, würde uns freuen. Für mich persönlich bleibt es aber dabei, keine wöchentliche, große Sendung mehr zu moderieren.

Das Interview führte Joachim Huber.


Die ARD ist der klare TV-Gewinner der Bundestagswahl: Die Wahlsendungen im Ersten hatten die meisten Zuschauer. Die Sendung ARD-„Bundestagswahl 2009“ um 17 Uhr schalteten 4,56 Millionen Zuschauer ein; im ZDF schauten fast zeitgleich (ab 16 Uhr 50) nur 2,38 Millionen zu, RTL hatte ab 17 Uhr 30 1,87 Millionen und bei Sat 1 waren ab 17 Uhr 45 nur 0,69 Millionen Zuschauer. Angesichts des klaren Ergebnisses mit der deutlichen Mehrheit für CDU/CSU und FDP beendete Sat 1 seine Wahlsendung eine Stunde früher als geplant und sendete ab 19 Uhr 05 eine Polizeireportage.

Auch die von ARD und ZDF parallel gesendete „Berliner Runde“ mit den Spitzenkandidaten sah das Erste vorn: Die ARD schalteten 5,77 Millionen ein, das ZDF 2,87 Millionen (8,4 Prozent). Die ARD-„Lindenstraße“ hatte am ungewöhnlichen Sendeplatz um 21 Uhr 10 noch 3,03 Millionen Zuschauer. dpa

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