Wahlkampf im Radio : „Drogen und Politik“

Die jungen Wellen der ARD wollen ihrer Hörer mit dem "Kanzlercheck" locken und holen dafür SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel vors Mikro. Radio-Fritz-Chefredakteur Stefan Warbeck über Politikverdrossenheit, freie Fragen und coole Sprüche.

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Rotlicht an. Zum „Kanzlercheck“ tritt SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, hier bei einem früheren Auftritt im WDR, am...WDR-Pressestelle/Fotoredaktion

Die heimlichen Sieger am Sonntagabend waren die „Simpsons“. Bei den 14- bis 49-Jährigen haben mehr Zuschauer den Film gesehen als das TV-Duell. Interessieren sich jüngere Menschen nicht für Politik?

Das ist nicht aus der Einschaltquote zu schließen. Junge Leute haben zwar ein hohes Interesse an Politik, aber weniger an Politikern, ihren Reden und Auftritten in Talkshows und auch an den politischen Institutionen. Das ist eher das Problem.

Sie wollen junge Radiohörer heute mit einem sogenannten „Kanzlercheck“ locken, wie sieht der aus?

Wir nutzen in der ARD alle jungen Programme, um Politik in einem Umfeld, was jungen Leuten gefällt, stattfinden zu lassen. Dafür haben sich die jungen Wellen der neun Landesrundfunkanstalten unter der Federführung des WDR zusammengeschlossen. Jeweils eine Stunde lang werden die Programme zusammengeschaltet, um am Dienstag SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, am Mittwoch dann Kanzlerin Angela Merkel jeweils eine Stunde zu befragen.

Das TV-Duell war lahm, warum sollte nun ein „Einzelcheck“ spannender sein?

Wir haben eine schöne Mischung an Themen, von der Staatsverschuldung bis hin zu Fragen, die speziell junge Hörer interessieren, beispielsweise die Politisierung des Internets oder welche Drogenpolitik Steinmeier und Merkel verfolgen. An den gut durchdachten Fragen, die wir teilweise vorab ausgewählt haben, sieht man, dass bei den jungen Hörern ein politisches Interesse da ist, dass sie sich Gedanken über ihre Zukunft machen.

Will Radio Fritz als junger Sender bewusst auf frechere Fragen setzen?

Wir wollen möglichst journalistisch und nicht möglichst frech auftreten. Nach dem, was man am Sonntagabend beim TV-Duell gesehen hat, haben Steinmeier und Merkel die Ruhe weg und lassen sich nicht aus der Fassung bringen.

Ist der „Kanzlercheck“ für die beiden Politiker vielleicht sogar schwieriger zu meistern als das TV-Duell?

Wenn beide kein Umfeld haben, in dem regelmäßig eine Menge junger Leute auftauchen und sie sich da bewähren müssen, dann wird es für die beiden heute und morgen schwierig, weil sie zum Teil direkt mit den Fragen der jungen Hörer konfrontiert werden.

Werden Steinmeier und Merkel versuchen, sich möglichst cool und hip zu zeigen?

Entscheidend wird nicht sein, ob Steinmeier und Merkel mit coolen Sprüchen kommen, entscheidend ist, wie glaubwürdig und authentisch sie auftreten. Die Hörer werden es schnell durchschauen, wenn etwas nur gesagt wird, um cool rüberzukommen. Ich erwarte, dass sich Steinmeier und Merkel intensiv mit der jungen Zielgruppe und ihren Fragen auseinandersetzen und nicht versuchen, sie drei Minuten mit politischen Allgemeinplätzen zuzuquatschen. Bloß keine Show.

Sind die jungen Wähler nicht ohnehin verloren? In den Umfragen des sozialen Netzwerks StudiVZ, liegt beispielsweise die Piratenpartei weit vorne.

Es gibt politisch sehr engagierte junge Leute und auch in Freundeskreisen reden sie über Politik. Der „Kanzlercheck“ bietet jetzt die Chance für die Politiker, die jungen Leute für ihre Ideen zu gewinnen. Die Sendung wird aber nicht wahlentscheidend für die jungen Hörer sein, sondern ist nur ein Teil des Programms, das wir zur politischen Orientierung vor der Bundestagswahl am 27. September bieten. Aber wenn die Politik wirklich möchte, dass sich mehr junge Menschen für sie interessieren, dann müssen Politiker viel stärker als bisher mit ihnen in Diskurs kommen. Das kann nicht nur mit einem „Kanzlercheck“ erledigt sein.

Das Gespräch führten Dominik Bardow und Sonja Pohlmann.

Stefan Warbeck, 43, ist Chefredakteur

von Radio Fritz

des Rundfunks

Berlin-Brandenburg.

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