Wahlkampf im TV : Die Solospielerin

Während Frank-Walter Steinmeier (SPD) und die Spitzenkandidaten der Oppositionsparteien jede Chance auf einen Fernsehauftritt wahrnehmen, scheut Angela Merkel die Duelle. Die Sender machen's der Kanzlerin leicht.

Joachim Huber
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Eine für alle. Im „Townhall“-Meeting erklärt Angela Merkel RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel und dem Studiopublikum ihre Politik...

Mag ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende auch noch so heftig zur Teilnahme am Fernseh-Wahlkampf der Parteien auffordern, Angela Merkel hält die Spur. Nach heutigem Stand wird sie bis zum Wahltag am 27. September zwar das TV-Duell mit SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier absolvieren, ansonsten sind im Fernsehen nur Soloauftritte zugesagt.

Mit Sommerinterviews wie gestern für Sat 1und N 24, damit können die Sender rechnen, das gibt der Terminkalender von Merkel her. Auch die sogenannten „Townhall“-Formate scheinen der Kanzlerin ins Konzept zu passen. Sie war beim Privatsender RTL, sie wird am 7. September in der „Wahlarena“ der ARD sitzen. NDR und WDR haben bereits eine Zusage bekommen. Merkel wird den Chefredakteuren Andreas Cichowicz (NDR) und Jörg Schönenborn (WDR) gegenübersitzen, weitere Gäste aus der Politik werden nicht anwesend sein. Am Tag darauf, am 8. September wird sich das Konzept nicht ändern, wenn SPD-Herausforderer Steinmeier in der ARD-„Wahlarena“ steht.

Das ZDF plant kein derartiges Format, anders Sat 1 mit „Ihre Wahl! Die Sat-1-Arena“. Sabine Christiansen und Stefan Aust stehen als Gastgeber-Duo bereit. Ob es aber nach dem Interview „weitere Auftritte der Kanzlerin geben wird, steht noch nicht fest“, sagte Sandra Scholz von der German Free TV Holding GmbH, zu der Sat 1 gehört.

Es verwundert nicht, dass sowohl Steinmeier als auch die Spitzenkandidaten der Oppositionsparteien jede Chance auf einen Fernsehauftritt wahrnehmen. Die Dreierbande aus FDP, Grüne und Linke wandert fest untergehakt durch die Programme von ARD, RTL und ZDF, zum kleinen TV-Duell.

Das neben dem großen TV-Duell Merkel vs. Steinmeier am 13. September vielleicht spannendste Format, das Aufeinandertreffen der Spitzenkräfte aller im Bundestag vertretenen Parteien, steht unter keinem guten Stern. Das ZDF kämpft mit Bannerträger Brender vorneweg um seine „Berliner Runde“, für das Zusagen aller Spitzenkräfte vorliegen – nur Angela Merkel hat bisher Terminprobleme. Wie aus dem ZDF zu hören ist, werden neue Anläufe Richtung Kanzleramt unternommen. Zu sagen, dass die „Berliner Runde“ von der Zu- oder Absage Merkels abhängt, geht beim ZDF keiner.

Kaum vorstellbar ist, dass die Kanzlerin beim Zweiten absagt und einen Stellvertreter schickt – und dann leibhaftig beim Ersten auftaucht. Für den 21. September hat die ARD „Die Favoriten“ angesetzt. Für die Runde sind eingeladen: Frank-Walter Steinmeier (SPD), Renate Künast (Die Grünen), Horst Seehofer (CSU), Guido Westerwelle (FDP), Oskar Lafontaine (Die Linke) – Angela Merkel (CDU). Die Kanzlerin, sagt ein ARD-Sprecher, hat bisher weder zu- noch abgesagt, was senderintern eher als Absage gedeutet wird. Es muss hinzugefügt werden, dass Angela Merkel derzeit nicht nur wahlkämpfende Parteivorsitzende der CDU ist, sondern ebenso die Regierungschefin und Bundeskanzlerin. Der EU-Gipfel in Brüssel, der G-20-Gipel in Pittsburgh/USA verlangen ihre Anwesenheit.

Das sind für die Kanzlerin Galatermine. Wird sie sich schon am 17. September in Brüssel als führende europäische Kraft aus Deutschland darstellen können, wird die Bühne beim G-20-Gipfel noch viel größer sein. Und dass sie im Kreise der Obamas, Sarkozys, der Russen und Chinesen nicht glänzen will und wird, wer möchte das bezweifeln? Und das am 24. und 25. September, zwei Tage vor der Bundestagswahl. Selbst wenn Frank-Walter Steinmeier auch in Brüssel und Pittsburgh zugegen sein wird, da ist er halt der Außenminister, der zu schweigen hat, wenn die Chefin spricht.

Dieser Rolle hat sich Angela Merkel im Bundestagswahlkampf 2009 verschrieben: Eine Bundeskanzlerin, die über dem Streit der Parteien schwebt, erst in zweiter Linie die CDU-Bundesvorsitzende, die in der Auseinandersetzung der Parteien, im politischen Kräftespiel sich positioniert, profiliert und dem Publikum gar verdeutlicht, wie und mit welchem Partner sie nach dem 27. September regieren will.

Der Jammer der Sender über die Solistin Merkel übertönt die eigenen Fehler. ARD, ZDF, selbst RTL und Sat 1 haben Merkel ein ums andre Mal zum Sommerinterview, in die „Townhall“ gebeten, widmen ihr ausführliche Porträts. Muss sie sich da noch mit Steinmeier, Künast, Westerwelle und Lafontaine plagen?

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