Medien : „Warum hassen sie mich?“

Die indische Schauspielerin Shilpa Shetty beklagt Rassismus beim britischen „Big Brother“

Matthias Thibaut[London]

Streit um Rassismus hat die fünfte „Celebrity Big Brother Show“ des britischen Senders Channel 4 doch noch zu einem Überraschungshit gemacht, nun, wo ganz Großbritannien schützend seinen Arm um die 31–jährige BollywoodSchauspielerin Shilpa Shetty legen kann und die Emotionen aufwallen. Im Unterhaus kam der Fall schon zur Sprache, der Strom der Beschwerden bei dem Sender und der Fernsehaufsichtsbehörde Ofcom lag am Mittwochnachmittag schon bei über 15 000. Der Hauptsponsor droht mit Rückzug, sogar die Regierung in Neu Dehli kündigte „angemessene Schritte“ an.

Gerade hatte das Wettbüro William Hill erlahmendes Interesse an der Show gemeldet. Nur halb so viel wurde bisher auf den Ausgang gewettet wie beim letzten Mal. Abgesehen davon, dass bereits drei der Teilnehmer die Nase voll hatten und die Show verließen – darunter der Ex-Filmregisseur Ken Russell und Popsänger Leo Sayer – war eigentlich nichts passiert. Am Samstagabend, bevor der Streit begann, hatten nur 2,8 Millionen Zuschauer eingeschaltet – weniger als zwölf Prozent Quote.

„Warum hassen sie mich?“ fragte Shilpa ihren Mitbewohner Ian Watkins auf einer Gartenbank des „Big Brother“-Hauses, wo die beiden Liedchen trällerten. Im emotionalen Auf und Ab der Show keine ungewöhnliche Frage. Nun hat sie aber neue Schärfe: Ist die aus über 30 Hindi-Filmen berühmte Schauspielerin Opfer des blanken Rassismus „wie er in keinem anderen Fernsehprogramm geduldet würde“?, so der Unterhausabgeordnete Keith Vaz von der regierenden Labour Partei in einer Eingabe im Parlament. Oder handelt es sich „um normale Rivalität unter Mädchen“?, wie Channel 4 behauptet. „Big Brother“, versicherte eine Sprecherin des Senders, toleriere weder Rassismus noch rassistisches Mobbing.

Es begann am Dienstag, als einige Teilnehmerinnen über Shipa herzogen. „Sie ist anmaßend, will alles kontrollieren“, begann die frühere Schönheitskönigin Danielle Lloyd. „Sie macht mir Gänsehaut“, stimmte Jade Goody zu, einst Zahnarzthelferin, seit einem „Big Brother“-Auftritt 2002 Multimillionärin. „Sie will weiß sein“, höhnte Danielle, als Shilpa offenbar Bleiche auf ihr Gesicht auftrug – oder war es Haarentferner? „Kriegst du Stoppeln wie ein Mann?“, fragten die Mädchen. Mehrere Teilnehmer der Show konnten oder wollten Shilpas Namen nicht richtig aussprechen. Einer soll sogar das schlimme Unwort „Paki“ in den Mund genommen haben.

Der Proteststurm brach los, als sich auch noch die britisch-indische Komikerin Meera Syal einmischte. Bei „Asians“, wie Briten vom Subkontinent heißen, ist sie als resolute Großmutter in der Komikserie „The Kumars“ bekannt und hoch beliebt. „Shilpas Fall erinnert Millionen Asians an die unangenehme Behandlung, die sie selbst seit Jahren ertragen müssen.“ Dann schaltete sich Keith Vaz ein, der erste Unterhausabgeordnete indischer Abstammung. Er fordert mit seiner Petition, alle Rassisten umgehend aus der Schau zu verbannen. Im Fußball werde so etwas nie geduldet.

Welche Gruppe aus der Bevölkerung sich beschwert, lässt sich nicht feststellen. Aber ein Großteil des Protests dürfte aus Kreisen aufgebrachter „Asians“ und vor allem der riesigen Fangemeinde von Shilpa Shetty stammen. Als sie vor Weihnachten eine E-Mail-Adresse für ihre Fans veröffentlichte, erhielt sie Tausende von Heiratsanträgen. Premierminister Tony Blair verurteilte gestern „Rassismus jeglicher Art“. Mehr könne er aber nicht sagen, da er das „Big Brother“-Programm nicht gesehen habe.

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