Medien : Warum ist es nur am Rhein so schön?

Von Montag an sendet n-tv aus Köln. Noch ist das Sendezentrum in Berlin, die Stimmung ist gedrückt

Alva Gehrmann

An ein entspanntes Arbeiten ist im Gebäude Taubenstraße 1 seit Tagen nicht mehr zu denken. Bilder werden abgehängt, Möbel aus den Büros getragen. Mancher Packer geht in seinem Eifer sogar so weit, dass er bei Computern, an denen Redakteure gerade ihre aktuellen Texte schreiben, den Stromstecker herauszieht.

Der Umzug der n-tv-Sendezentrale von Berlin nach Köln ist im vollen Gange: Am Sonntagabend wird die letzte Nachrichtensendung im alten Gebäude gefahren, am Montagmorgen die erste Nachrichtensendung aus Köln-Ossendorf. Offiziell wird das neue digitale Sendezentrum erst am 4. Oktober eröffnet.

„Der ganze September ist für uns eine Testphase“, sagt n-tv-Geschäftsführer Johannes Züll. Die politische Berichterstattung wird weiterhin aus Berlin kommen, ebenso die Talk-Sendungen. Das neue Hauptstadtstudio befindet sich am Schiffbauerdamm – dort, wo n-tv-Miteigentümer RTL heute schon sitzt. Die Börsenberichterstattung erfolgt weiter aus Frankfurt am Main. Insgesamt gibt es drei Sendestandorte.

Mit dem Auszug aus dem alten Gebäude in Berlin geht eine Ära zu Ende. n-tv – das war seit der Gründung des ersten deutschen Nachrichtensenders die Taubenstraße 1. Am 30. November 1992, Punkt elf Uhr, startete Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling im Newsroom mit einem Druck auf den „roten Knopf“ den Sendebetrieb. Im Newsroom wurden den Mitarbeitern auch alle wichtigen Veränderungen und Entscheidungen mitgeteilt: Hier erfuhren sie im Jahr 2002 von RTL als neuem Gesellschafter, hier versprach ihnen RTL-Informationsdirektor Hans Mahr, dass es keinen Umzug nach Köln geben werde. Im März 2004 kam es dann anders; aus Kostengründen wechselt n-tv nach Köln, zur RTL-Mutter.

„Die Stimmung auf den Fluren ist gespenstisch", sagt eine n-tv-Redakteurin. In den Gängen stapeln sich Kartons, welken Topfpflanzen vor sich hin. Jeden Tag verabschieden sich weitere Kollegen voneinander. „Man sieht den einen oder anderen eine Träne wegdrücken.“ Die langjährige Redakteurin wird nicht mit nach Köln gehen. Sie wollte nicht, andere hatten erst gar nicht die Wahl. Dass Personal eingespart werde, war allen klar. Am härtesten trifft es die Cutter. Von ihnen wird eventuell nur einer übernommen.

„Wir werden uns darum bemühen, die mit dem teilweisen Umzug nach Köln und mit der Digitalisierung der Produktionsabläufe verbundenen Veränderungen für die Belegschaft sozialverträglich zu gestalten“, sagte Johannes Züll, als im März der Umzug bekannt gegeben wurde. Das Ergebnis heute: Aus 250 Mitarbeitern werden im September 200 so genannte Ganztageskräfte. „Zwei Drittel der Mitarbeiter werden von Köln aus arbeiten, der Rest sitzt in Berlin und Frankfurt“, sagt Züll.

In Köln richtet sich die Redaktion derweil ein. „Am Montag wird alles laufen“, sagt Dirk Emmerich, n-tv-Redakteur und ehemaliger Moskau-Korrespondent. Er koordiniert vor Ort den Umzug. Außerplanmäßig kam er am Mittwoch schon zu einem ersten Test des neuen Sendezentrums: Emmerich kommentierte die Flugzeugabstürze in Russland.

Rund zehn Millionen Euro hat n-tv investiert, um die Produktion vollständig zu digitalisieren. Auch wenn es einen neuen, modernen Newsroom gibt, für den Zuschauer werde sich ab Montag nicht viel ändern, so n-tv-Geschäftsführer Züll. Man wolle das Publikum nicht jedes Jahr mit einem neuen Design konfrontieren. „Das Motto heißt Evolution und nicht Revolution.“ Wer genau hinschaue, sehe aber den Unterschied. Manfred Bleskin wird am Montagmorgen der Erste sein, der aus dem neuen Studio moderiert.

In der Nacht zuvor, um 24 Uhr, endet in der Taubenstraße der Sendebetrieb. Im Anschluss feiern ehemalige und aktuelle n-tv-Mitarbeiter ihren Abschied, ihre „Abriss-Party“, wie sie sagen. Dort, wo der Nachrichtensender seinen Betrieb aufgenommen hat, wird auch der Knopf ausgeschaltet: im Newsroom.

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